Zwei leise statt ein lautes

Es darf nicht die Rendite im Vordergrund stehen. Es geht um die Menschen, die da wohnen.

Die beiden Freudenberger Windräder sollen Zuwachs bekommen. Die bevorstehende Genehmigung einer dritten Anlage bereitet nicht nur den Anwohnern Sorgen, sondern auch der Bürgerwind-Gesellschaft.

Andreas Wilczek, Geschäftsführer der Bürgerwind Region Freudenberg GmbH, will nicht länger zuschauen. "Mir geht es um die Menschen, die in Witzlricht und Hainstetten wohnen", sagt er. "Und mir geht es darum, dass die Windkraft und unsere Arbeit nicht in Verruf geraten." Letzteres befürchtet er, sollten die Pläne des Windkraft-Projektierers Voltgrün umgesetzt werden. Die Firma aus Regensburg beabsichtigt, 707 Meter südlich der Wohnbebauung von Hainstetten ein Windrad vom Typ Vestas V112 aufzustellen.

"Wir versuchen es"

"Wir hätten das niemals gemacht", erklärt der Bürgerwind-Geschäftsführer. "Nicht an diesem Standort, schon gar nicht mit dieser Anlage und auch nicht, ohne vorher mit den Anwohnern zu sprechen." Er verweist darauf, dass bei der geplanten Windkraftanlage ein Getriebe zum Einsatz kommt. Dadurch steige die Lärmbelastung sowohl für Hainstetten, als auch für Witzlricht spürbar. Das Projekt sei nach einer mehr als dreijährigen Planungsphase so gut wie abgeschlossen. Jetzt hat auch die Gemeinde Freudenberg ihr Einvernehmen erteilt, nachdem das Landratsamt angekündigt hatte, es andernfalls zu ersetzen.

Wilczek wirbt nun für eine Alternativlösung. Seiner Ansicht nach wären die Auswirkungen für Hainstetten und Witzlricht wesentlich erträglicher, wenn am anvisierten Standort ein Windrad mit getriebeloser Technik errichtet würde. Weil eine solche Anlage aber teurer sei, müssten - "um das Projekt wirtschaftlich darzustellen" - gleich zwei aufgestellt werden. Erst dann rechneten sich die Investitionen. Die Formel des Bürgerwind-Geschäftsführers lautet also: Lieber zwei zusätzliche Windräder, die verhältnismäßig leise sind, als ein relativ lautes. Wilczek könnte sich außerdem vorstellen, die beiden bestehenden Bürgerwindräder mit sogenannten Serrations nachzurüsten. Dabei handelt es sich um spezielle Kämme, die an den Kanten der Flügelblätter angebracht werden. Sie sollen beim Durchschneiden der Luft Turbulenzen verhindern und auf diese Weise die Flügelgeräusche deutlich reduzieren.

Die Bürgerwind GmbH stehe aktuell in Verhandlungen mit dem Projektierer, um das Vorhaben eventuell zu übernehmen und entsprechend zu modifizieren. "Wir versuchen es", unterstreicht Wilczek. Wenn sich Voltgrün auf den Vorschlag einließe, strebe er wie im Witzlrichter Modell eine größtmögliche Anwohner- und Bürgerbeteiligung an. Wilczek: "Es darf nicht die Rendite im Vordergrund stehen. Es geht um die Menschen, die da wohnen." Die Gespräche mit Voltgrün seien "sehr intensiv" gewesen. "Ich hoffe auf eine kooperative und einvernehmliche Zusammenarbeit."
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