Zwischen Wohlstand und Hunger

Die ganz Kleinen wirkten schon mit und zeigten symbolisch die Gaben, die wir täglich genießen dürfen und die überhaupt nicht selbstverständlich sind. Bild: az

Vergiss das Danken nicht! Der Familiengottesdienst in Gmünd machte nachdenklich. Er war Ansporn zum Dank für unseren täglichen Wohlstand.

Bei diesem Erntedankgottesdienst ging manches unter die Haut: Vor dem Altar die prächtige, bildschöne und komprimierte Darstellung all dessen, was uns täglich in reichem Maße zur Verfügung steht. Andererseits der vielfältige Mangel an lebensnotwendigem in vielen Teilen der Welt, vor das geistige Auge geführt durch beeindruckende Wortwahl, Lieder, Meditationsgedanken.

Wie der sprichwörtliche rote Faden zog sich der innige Dank an Gott für unseren Wohlstand und die gleichzeitige Mahnung zum Teilen durch die Eucharistiefeier. Die anrührenden Texte sollten sicher nicht gleich Gewissensbisse verursachen, vielmehr Anstoß geben zur Gewissenserforschung.

In der Filialkirche Gmünd wurde der Erntedank eine Woche später gefeiert als üblich. Die Atmosphäre schmeichelte den Sinnen, zumal auch noch der Duft von frischem Brot im Kirchenraum lag. Renate Hofmann, Corina Anderson und Birgit Walberer war es mit der Textauswahl und Gestaltung gelungen, die Gläubigen auf anspruchsvolle wie gleichzeitig einfache Art mitzunehmen und einzubinden. Die gut vorbereiteten Kinder wirkten im Einklang mit Kaplan Thomas Thiermann. Der Kinderchor "Cantare et Vivere" aus Hütten begleitete stimmungsvoll.

Da hieß es zum Beispiel im Kyrie: "Herr und Gott, die Erde hat uns reich beschenkt mit Gräsern, Blumen, Obst und Gemüse. Oft schätzen wir diese Gaben nicht. Wir pflücken Blumen, um sie bald darauf wieder fallen zu lassen. Wir probieren Obst und werfen es wieder fort, wenn es uns nicht schmeckt. Wir lassen Brot verkommen, werfen es in die Mülltonne." Oder: "Wir haben im Überfluss zu essen, werden täglich satt, vergessen aber oft, Danke zu sagen denen, die für uns sorgen und arbeiten, und Dir unserem Gott." Oder: "Millionen Menschen hungern, viele verhungern. Wir vergessen das oft, machen uns keine Gedanken, wie wir helfen können, tun nichts gegen diese Not. Herr, erbarme dich unser."

Sehr zum Nachdenken und Aufrütteln angetan war das Lukas-Evangelium. Es handelte von jenem Reichen, der nicht wusste wohin mit seiner üppigen Ernte, die alten Scheunen abreißen, durch größere ersetzen und es sich fortan gut gehen lassen wollte. Doch Gott machte ihm einen dicken Strich durch die Rechnung: "Du Narr, noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?"

Anstelle einer Predigt setzten sich Kinder in Szene, verliehen der Sonne, dem Wasser, den Blumen, dem Ackerboden, der Tomate, der Kartoffel und dem Brot sozusagen eine Stimme. Und während sie ihre Gedanken in Worte fassten, zeigten Kleine des Kindergartens die jeweiligen Symbole. Da merkte etwa der Ackerboden an: "Aus mir wachsen alle Pflanzen und Bäume. In mir ist Kraft und das große Geheimnis des Wachstums, das Gott mir geschenkt hat. Ich bin stolz, dass aus mir Bäume wachsen, an denen leckere Früchte hängen."

Schöne "Predigt"

Und das Brot überlegte: "Ich bin das Brot, das ihr täglich esst. Wenn mich eine Mutter liebevoll mit Butter oder Nutella geschmiert hat, dann schmecke ich ganz besonders gut. Doch manchmal lassen mich Kinder unter der Schulbank liegen oder werfen mich sogar achtlos in den Mülleimer. Das macht mich sehr traurig. Gott schenke allen Kindern das tägliche Brot. Zeige ihnen wie kostbar ich bin. Lass sie dafür danken." Schmunzeln verbreitete sich, als Kaplan Thiermann anschließend festhielt: "Herzlich Vergelt's Gott den Damen und Herren, die so schön gepredigt haben!"

Einer einzigen Dankeshymne kam die Meditation von Lea Hofmann nach der Kommunionfeier gleich. Den anrührenden Schlussakzent setzte der Kinderchor mit: "Mögen Eltern dich begleiten auf dem Weg, der vor dir liegt. Mögen immer sie dir zeigen, dass Gott dich unendlich liebt." Dem Kaplan selbst bleib da nur aufrichtig danke zu sagen für alle Vorbereitung. So auch den Brüdern Hans und Willi Speckner von der Stadtmühle für ihre gespendeten und herrlich duftenden Minibrote.
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