100. Katholikentag in Leipzig
Joachim Gauck gegen Angstmacher

Bundespräsident Joachim Gauck nach der Eröffnung des 100. Katholikentages auf dem Marktplatz in Leipzig. Bild: dpa

Leipzig. (dpa/KNA) In Leipzig hat der 100. Katholikentag begonnen. Tausende Gläubige kamen am Mittwoch zur Eröffnungsfeier in die sächsische Stadt, in der nur wenige Christen leben: Lediglich 4,3 Prozent der 570 000 Einwohner sind katholisch, etwa 10 Prozent evangelisch. Führende Vertreter aus Politik und Kirchen haben dabei vor einer Spaltung der Gesellschaft gewarnt und zu stärkerem Miteinander aufgerufen. Bundespräsident Joachim Gauck verurteilte das kalkulierte Schüren von Angst und Hysterie.

Keine "schrillen Stimmen"


"Diejenigen, die mit Ängsten ihr politisches Süppchen kochen, um Hetze zum Normalzustand zu erklären, von denen trennen wir uns gänzlich ab", sagte Gauck. Für anhaltende Diskussionen sorgt aber auch der Umgang des Treffens mit der Alternative für Deutschland (AfD). Die Organisatoren hatten keine Vertreter der Partei zu Podien eingeladen. "Wir wollen in unseren Diskussionsrunden nicht einfach nur schrille Stimmen aufeinanderprallen lassen", so der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg.

Dagegen sagte CDU-Vize Julia Klöckner, die ebenfalls dem Katholiken-Komitee angehört, dem Kölner domradio: "Man muss sich mit der AfD auseinandersetzen, damit sie keinen Märtyrerstatus erhält." Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) plädierte in Leipzig für eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD. Deren Wahlergebnisse seien ein "Alarmzeichen". Vor allem müsse es um die Ängste ihrer Anhänger gehen. Bis Sonntag stehen noch rund 1000 Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Gottesdienste, Diskussionsrunden zu gesellschaftlichen Themen, Workshops und Konzerte. Verkauft wurden mehr als 32 000 Dauerkarten, zusätzlich rechnet das ZdK als Veranstalter mit tausenden Tagesbesuchern.

Franziskus mahnt


Gleich zu Beginn gab es eine Premiere. Erstmals sendete ein Papst zum Katholikentag eine Videobotschaft auf Deutsch. Franziskus rief zu einem friedlichen Miteinander, Solidarität mit Alten, Kranken und Flüchtlingen sowie zu größerem Umweltbewusstsein auf. "Es ist nicht das Machen oder der äußere Erfolg, der zählt, sondern die Fähigkeit, stehen zu bleiben, hinzuschauen, aufmerksam zu sein gegenüber dem Mitmenschen und ihm zu geben, was ihm wirklich fehlt", sagte er.
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