13 Jahre Afghanistan - zwei Deutsche und zwei Afghanen ziehen Bilanz

Insgesamt waren 135 000 Bundeswehrsoldaten am Kampf gegen die Taliban und für eine bessere Zukunft Afghanistans beteiligt. 55 starben, darunter Soldaten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg. Zahlreiche Männer und Frauen wurden verletzt oder traumatisiert. Drei vom Einsatz Betroffene antworten auf die Frage, was dieser gebracht hat.

Tanja Menz (46) , Mutter von Konstantin Menz, der am 16. Februar 2011 im Alter von 22 Jahren zusammen mit zwei Kameraden bei einem Insiderangriff in Nordafghanistan ermordet wurde. Stabsgefreiter Menz, war ebenso wie die beiden anderen Opfer, Hauptfeldwebel Georg Missulia (30) und Hauptgefreiter Georg Kurat (21), Angehöriger der 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 112, in Regen, das der Panzerbrigade 12 unterstellt ist.

Tanja Monz sagt: "Das ist eine schwierige Frage, die wir heute noch nicht hundertprozentig beantworten können. Vielleicht wissen wir in ein paar Jahren, was es gebracht hat. Ich hoffe, dass es in den jungen Menschen in Afghanistan etwas verändert hat, die die Möglichkeit hatten, in die Schule zu gehen und einen besseren Zugang zu Bildung zu bekommen. Wenn sie erwachsen sind, können sie vielleicht in Afghanistan etwas verändern."

Sima Samar (57) , leitet die afghanische Menschenrechtskommission: "Die internationale Gemeinschaft ist sehr oberflächlich an Afghanistan herangegangen. Wir haben die Aufstockung der Soldaten 2009 nicht verstanden und wir verstehen jetzt den Rückzug nicht. Ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll. Vom menschlichen Standpunkt aus sind wir sehr dankbar für die Opfer, die die Gemeinschaft für uns gebracht hat. Aber vielleicht hätten wir mehr erreicht und weniger Opfer zu beklagen, wenn wir die Lage besser analysiert hätten."

Carsten Jacobson (59) , Generalleutnant der Bundeswehr, seit einem halben Jahr stellvertretender Kommandeur der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf: "Wenn ich es mit einem Wort zusammenfasse, sage ich: Ja. Das Ziel ist es gewesen, afghanische Regierungsbildung zu ermöglichen, den Schutz dieser Regierungsbildung sicherzustellen und afghanische Sicherheitskräfte aufzustellen, anschließend die Verantwortung zu übergeben und dann zu reduzieren und abzuziehen. Dieser Auftrag der Isaf ist zu 100 Prozent erfüllt."

Hamdullah Daneschi (58), stellvertretender Gouverneur von Kundus, einer umkämpften Provinz im Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan: "Die Nato-Truppen haben in ihrer 13-jährigen Anwesenheit Bedeutendes für die Afghanen erreicht. Sie haben uns dabei geholfen, unsere Sicherheitskräfte aufzubauen. Sie haben uns dabei geholfen zu regieren, und unsere Terrorismus-Probleme wurden fast gelöst. Aber ich glaube, dass ihr Rückzug ein voreiliger Schritt ist, weil wir weiterhin ihre Hilfe brauchen. Es gibt Dinge zu erledigen, die wir ohne ihre Hilfe nicht erledigen können." (dpa/paa)
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