2016 können Rentner auf es ein deutliches Plus der Bezüge hoffen - Klarheit erst im kommenden ...
"Kein übermäßiger Schluck aus der Pulle"

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Um vier Prozent könnten die Renten Mitte kommenden Jahres steigen. Es dürfte nach heutigem Stand sogar eher etwas mehr als weniger werden. Damit überholen die Rentner sogar die Arbeitnehmer bei ihren Löhnen locker. Wie ist das nach vielen vergleichsweise mageren Jahren zu erklären? Alexander Gunkel, der die Arbeitgeber im Bundesvorstand der Rentenversicherung vertritt, stellt klar, dass hier niemand aus Kalkül ein Füllhorn ausschüttet: "Die Rentenerhöhung erfolgt aber nicht nach willkürlichen Festlegungen, sondern entsprechend der gesetzlichen Rentenformel." Diese komplizierte, aber feste Formel vermeide den Eindruck von Willkür.

Die Rentner profitieren vor allem von der guten Wirtschaftslage mit Rekordbeschäftigung, niedrigster Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten und Lohnplus. Oft blieben die Renten in den vergangenen Jahren hinter den Löhnen zurück. Beispiel Nachhaltigkeitsfaktor. Er beschreibt das Verhältnis von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern - und wirkte oft dämpfend. Doch bei steigender Zahl der Einzahler kann die Stellschraube die Renten auch steigen lassen. Zentral ist die Lohnentwicklung. Abschließende Daten gibt es erst im Frühjahr. Doch klar ist: Sie zeigt nach oben. Laut Statistischem Bundesamt führte etwa die niedrige Inflation im zweiten Quartal zu einem Plus von 2,7 Prozent bei den Reallöhnen.

Auch der Beitragssatz spielt eine Rolle: Bei steigenden Belastungen der Einzahler wird auch die Rentensteigerung gedämpft. Die Vertreterin der Versicherten im Vorstand der Rentenversicherung, DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, will möglichen Neideffekten vorbeugen. "Die Rentnerinnen und Rentner genehmigen sich 2016 keinen übermäßigen Schluck aus der Pulle zulasten der Beitragszahler", sagt sie, "sondern sie bekommen das ausbezahlt, was ihnen nach Recht und Gesetz zusteht." Die Rentenausgaben spiegelten schlicht die wirtschaftlichen Entwicklung. Wer 1000 Euro Rente bekommt, dürfte also am 1. Juli kommenden Jahres gut 40 Euro mehr erhalten. Doch mehr Klarheit gibt es erst Ende Oktober. Dann haben sich die Rechenexperten von Bundessozialministerium, Rentenversicherung und Bundesversicherungsamt zusammengesetzt und eine offizielle Schätzung vorgelegt. Und erst im Frühjahr wird die Erhöhung aufgrund von Daten zur Lohnentwicklung festgelegt.

Es dürfte ein Ausreißer nach oben bleiben. Denn auf dem Arbeitsmarkt ist ein Ende des Booms absehbar. Am Beitragssatz dürfte sich kommendes Jahr kaum etwas ändern. Und Deutschlands führende Ökonomen warnten bereits aber vor Belastungen durch die Mütterrente, durch die Rente mit 63 - und durch das Älterwerden der Gesellschaft. Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung sprach von einer "dramatischen Perspektive".
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