25. Jahrestag der Unabhängigkeit
Ukraine im Überlebenskampf

Gelb-blau wehen die Fahnen der Ukraine in Kiew zum Unabhängigkeitstag. Bild: dpa

Am 25. Unabhängigkeitstag ist in der Ex-Sowjetrepublik Ukraine nicht allen zum Feiern zumute. Im Krieg im Osten sterben Menschen, Armut und Korruption prägen den Alltag. Schafft das Land die Wende?

Kiew. An diesem Mittwoch begeht die Ukraine den 25. Jahrestag der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Präsident Petro Poroschenko wird in der Hauptstadt Kiew als Zeichen neu gewonnener militärischer Stärke eine Parade von 4000 Soldaten mit Panzern, Haubitzen und Raketenwerfern abnehmen.

Denn das Land muss sich wehren, seit Russland 2014 im Handstreich die Halbinsel Krim wegnahm und im Osten einen prorussischen Aufstand mit Soldaten und Waffen anheizte. "Der Krieg für die Unabhängigkeit geht weiter", sagte Poroschenko bei der Militärparade vor einem Jahr. In diesen Wochen lassen neue Drohungen von Kremlchef Wladimir Putin sogar eine Ausweitung der Kämpfe befürchten.

Dabei hatten sich die Ukrainer eine glänzende Zukunft erhofft, als ihr Parlament nach dem gescheiterten Putsch gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow im August 1991 die Unabhängigkeit ausrief. Mit mehr als 90 Prozent Zustimmung bestätigten die Bewohner der nach Russland wichtigsten Sowjetrepublik dann im Dezember, dass sie einen eigenen Staat wollten. "Los von Moskau!" war die Devise. Die Schwerindustrie im Donbass, Raumfahrt- und Raketentechnik und die fruchtbare Schwarzerde schienen günstige wirtschaftliche Voraussetzungen für die Ukraine zu bieten.

Von Krise zu Krise


Doch in einem Vierteljahrhundert ist Europas zweitgrößter Flächenstaat nicht auf die Beine gekommen, sondern von Krise zu Krise geschlittert. Das liegt nicht nur am Druck Moskaus. Schuld sind auch verschleppte Reformen, verantwortungslose Eliten und innere Spaltungen. Zwar ist der Graben zwischen dem national-ukrainischen Westen und dem russisch geprägten Osten nie so tief gewesen, wie vom Ausland angenommen; er ist aber auch nie überwunden worden.

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist die Ukraine mit 1790 Euro Durchschnittseinkommen je Einwohner das zweitärmste Land Europas nach der Republik Moldau. Mit Russland konkurriert sie laut der Nichtregierungsorganisation Transparency International um den zweifelhaften Titel des korruptesten europäischen Staates.

Die Bevölkerung ist, unabhängig von der Annexion der Krim durch Russland, geschrumpft durch Abwanderung und geringe Geburtenziffern. Von einst 52 Millionen sind dem Statistikamt zufolge nur noch 43 Millionen Ukrainer übrig - mit weiter abnehmender Tendenz.

Hoffnungen nicht erfüllt


Zweimal begehrte die Mittelschicht gegen die Zustände auf, in der Orangenen Revolution von 2004 und dem Euromaidan 2013/14. Zwar kämpfte sich das Land in der internationalen Wahrnehmung aus dem Schatten Russlands heraus. Doch die Hoffnungen auf eine Annäherung an den Westen und dessen Wohlstand wurden bisher nicht erfüllt.

Gipfel-ThemaKanzlerin Angela Merkel und die Präsidenten Russlands und Frankreichs werden beim kommenden G20-Gipfel am 4./5. September in China über den Konflikt in der Ukraine beraten. Den Beschluss zu dem Treffen fassten Merkel, Wladimir Putin und François Hollande bei einem Telefongespräch am Dienstag, wie der Kreml in Moskau mittelte. (dpa)
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