40-Jähriger gesteht in Den Haag Zerstörung von Weltkulturerbe in Mali
Dschihadist bittet um Vergebung

Auf der Anklagebank: der mutmaßliche Dschihadist Ahmad Al Faqi al Mahdi. Bild: dpa

Den Haag. Im historischen Prozess um die Zerstörung des Unesco-Weltkulturerbes in Mali hat der Angeklagte ein umfassendes Schuldbekenntnis abgelegt. Er sei für die Vernichtung der jahrhundertealten religiösen Bauwerke in Timbuktu verantwortlich, sagte der mutmaßliche Dschihadist Ahmad Al Faqi al Mahdi am Montag vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. "Ich bereue meine Tat zutiefst und bitte um Vergebung", sagte der etwa 40 Jahre alte Mann aus Mali. Es ist das erste Mal, dass ein Angeklagter vor dem Weltstrafgericht seine Schuld zugibt. Im Sommer 2012 hatte die Dschihadisten-Miliz Ansar Dine, die mit Al-Kaida verbündet ist, die Wüstenstadt Timbuktu im westafrikanischen Mali überrannt und mittelalterliche Heiligengräber und eine Moschee zerstört.

Der auch als Abu Tourab bekannte Angeklagte war Leiter der Moralpolizei der Dschihadisten und hatte der Anklage zufolge die Zerstörung angeordnet. Auf Videos zeigte die Anklage im Gerichtssaal, dass Al Mahdi selbst mit der Axt auf die alten Mauern aus Lehm und Steinen eingeschlagen hatte. Damals hatte der Scharia-Experte die Tat als "Verteidigung des wahren Islam" gegen falsche Heiligenverehrung gerechtfertigt. Vor den internationalen Richtern sagte der Mann, dass er im Gefängnis "für sein Verbrechen büßen" wolle. Der Ex-Rebellenführer rief auch "alle Muslime der Welt auf, sich nicht zu den gleichen Taten verleiten zu lassen".

Für das Weltstrafgericht ist der Prozess historisch. Es ist der erste Prozess zu Kriegsverbrechen in Mali, und erstmals ist auch ein mutmaßlicher Dschihadist angeklagt. Die Anklage will neun bis elf Jahre Gefängnis fordern. Wann ein Urteil erfolgt, ist bislang nicht bekannt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Den Haag (55)Mali (9)Dschihadist (2)Timbuktu (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.