739 Opfer der Übertgriffe zu Silvester in Köln
Kraft verspricht mehr Polizisten

"Es tut mir weh. Ich sage deutlich: Es lag in unserer Verantwortung und es tut mir persönlich und uns allen leid, unendlich leid, dass dies geschehen konnte." Das erklärte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am bei der Debatte im Landtag über die Übergriffe in der Silvesternacht Köln. Bild: dpa

Bei der Aufarbeitung der Silvester-Übergriffe in Köln nimmt die Opposition die Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen in den Blick. Kraft stellt sich hinter Jäger und verspricht mehr Polizisten. Inzwischen haben sich 739 Opfer gemeldet.

Düsseldorf/Köln. Zwei Wochen nach den Übergriffen in der Silvesternacht auf dem Kölner Hauptbahnhof haben die Ermittler für entscheidende Hinweise zur Aufklärung der Straftaten 10 000 Euro Belohnung ausgesetzt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Köln am Donnerstag mit. In der Silvesternacht hatten zahlreiche Männer, die nach Einschätzung der Ermittler mehrheitlich aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum stammen, am Kölner Hauptbahnhof schwere Sexualstraftaten und Raubdelikte begangen.

Wie die Staatsanwaltschaft Köln weiter berichtete, sind nunmehr insgesamt 652 Anzeigen eingegangen. 331 Mal sei dabei ein Sexualdelikt angezeigt worden. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer meldeten sich bislang 739 Opfer, die berichteten, angegriffen, bedrängt oder bestohlen worden zu sein. Manche würden gemeinsam eine einzige Anzeige erstatten, weshalb es mehr Geschädigte als Anzeigen gebe.

Als Reaktion auf die Gewalt will Nordrhein-Westfalen die Zahl der Polizeibeamten um 500 erhöhen, kündigte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei der Sondersitzung des Landtags am Donnerstag in Düsseldorf an. Daneben werde das Land nicht mehr über die getroffenen Vereinbarungen hinaus Einsatzhundertschaften in andere Bundesländer schicken. In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 40 000 Polizeibeamte.

Innenminister Ralf Jäger (SPD) will keine persönlichen Konsequenzen ziehen. "Meine Aufgabe als Innenminister ist es, alles was in meiner Macht steht dafür zu tun, dass sich solche Taten nicht wiederholen." Kraft stellte sich erneut vor den Innenminister. Beide wandten sich an die Opfer. "Ich sage deutlich: Es lag in unserer Verantwortung und es tut mir persönlich und uns allen leid, unendlich leid, dass dies geschehen konnte", sagte die Regierungschefin. In Köln sei der schlimme Eindruck entstanden, "der Staat habe das Heft des Handelns für ein paar Stunden verloren". Jäger sagte: "Ich möchte mich für die Fehler, die die Polizei am Silvesterabend gemacht hat, bei den Opfern entschuldigen."

FDP: "Rechtsfreie Zonen"


CDU und FDP erwägen, einen Untersuchungsausschuss zu beantragen, um die Verantwortlichkeiten für das Debakel zu klären. CDU-Fraktionschef Armin Laschet warf Kraft eine Bankrott-Erklärung in der Innenpolitik vor. Ein Neuanfang sei mit einem Minister, der fünf Jahre lang versagt habe, nicht möglich. "Ihnen ist die öffentliche Sicherheit bereits weitgehend entglitten", warf FDP-Fraktionschef Christian Lindner Jäger vor. "Nordrhein-Westfalen ist ein Paradies für Taschendiebe, ein Eldorado für Salafisten." Nordafrikanische Diebesbanden, kriminelle Clans und Rocker-Gangs hätten in mehreren Städten des Landes zu rechtsfreien Räumen und gefährlichen "No-Go-Areas" geführt. Jäger weist das zurück: "Das Zerrbild eines unsicheren Staates ist falsch."
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