74 Kriegsflüchtlinge beim Autohof in Wernberg-Köblitz ausgesetzt - Hilfe vom Technischen ...
74 Kriegsflüchtlinge ausgesetzt

Blaulicht Polizei

Wernberg-Köblitz. Sie froren, hatten Hunger und Durst: 74 Kriegsflüchtlinge aus dem Irak waren in der Nacht zum Karfreitag beim Autohof in Wernberg-Köblitz von skrupellosen Schleusern ausgesetzt worden. Hilfsorganisationen und Bürger versorgten die Jesiden im Nabburger Feuerwehrhaus.

Die ersten Befragungen der Polizei ergaben, dass der Großteil der Flüchtlinge aus Singar im nördlichen Irak stammt und von der Isis vertrieben wurde. Neben den Jesiden - eine religiöse Minderheit - sind auch einige kurdische Muslime unter den Flüchtlingen. Von einem Camp machten sie sich auf den Weg über Istanbul: drei Tage zusammengepfercht in einem Lastwagen. Endstation der Schleuserfahrt war der Lastwagenparkplatz des Autohofes.

Beamte suchen das Gebiet ab

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung fuhren gegen 21.45 Uhr etliche Streifen der Bayerischen Polizei und der Bundespolizei nach Wernberg-Köblitz. Einige der Flüchtlinge waren noch vor Ort, andere hatten sich in Bereich der Autobahn und der B 14 bereits in Gruppen auf den Weg gemacht. Die Beamten suchten das Gebiet ab.

Notfallplan greift

Die aufgegriffenen Personen wurden zu einem Schnellrestaurant in der Klaus-Conrad-Straße gebracht. Die Mitarbeiter stellten den durstigen Flüchtlingen Getränke zur Verfügung. Anschließend wurden die 74 Personen mit Kleinbussen der Polizei und des Technischen Hilfswerkes zum Feuerwehrhaus nach Nabburg gefahren. Hier griff ein Notfallplan, den der Leiter der Polizeiinspektion Nabburg, Günther Vierl, und Bürgermeister Armin Schärtl nach einem ähnlichen Fall - in weitaus geringerer Dimension - vor einiger Zeit besprochen hatten. Keiner dachte, dass er so schnell umgesetzt werden muss. Im Feuerwehrhaus feierte man am Donnerstag das "Zehnjährige" des Gebäudes. Bürgermeister Schärtl hatte sich gerade verabschiedet, als der Hilferuf auf dem Handy einging.

Turnhalle der Mittelschule wird zum Notlager

In kürzester Zeit waren die Helfer von Feuerwehr, THW und BRK mit ihren jeweiligen Leitern vor Ort. Pfarrerin Irene Friedrich und den Arbeitskreis Asyl kamen hinzu. Nudeln, Suppenwürfel, das Nötigste war auf Abruf eingelagert. Was der Vorratsschrank hergab, wurde mitgebracht - auch der für die Feiertage gedachte Kuchen. Beim Bäcker wurden Semmeln besorgt, in der Feuerwehrküche Suppe, Tee und Kaffee gekocht. Schnell waren auch im Bekanntenkreis Windeln für die Kleinkinder organisiert. "Die Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf, etwas Warmes zu essen und zu trinken", so Bürgermeister Schärtl. Während der Erstverpflegung schaffte das Rote Kreuz 100 Feldbetten heran. Schärtl hatte Hausmeister Erich Troidl verständigt. Die Turnhalle der Mittelschule wurde zum Notlager umfunktioniert. Binnen 25 Minuten standen die Betten dank der Helfer.

120 Einsatzkräfte

Das Team der Bundespolizei um Polizeihauptkommissar Manfred Pöllinger versuchte, die Flüchtlinge mit Hilfe eines Dolmetschers aus ihren Reihen in Gruppen aufzuteilen. Nach dem Frühstück, das vom BRK Wernberg-Köblitz organisiert wurde, brachte man sie am Freitag zur erkennungsdienstlichen Behandlung in die Grenzpolizeinspektionen Waidhaus, Waldmünchen und Selb. Man versucht, verwertbare Hinweise auf die Schleuser, denen hohe Summen bezahlt wurden, zu bekommen.

Im Anschluss kamen die Flüchtlinge in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Regensburg. Insgesamt waren 120 Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und THW am Einsatz beteiligt.
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