Ab 2016 gehen Braunkohle-Kraftwerke vom Netz - Entschädigung für Versorger
Stillgelegt fürs Klima

Nach dem längst beschlossenen Steinkohle-Ausstieg tickt die Uhr auch für die Braunkohle immer lauter. Der Abschied von mehreren alten Kraftwerken für mehr Klimaschutz wird den Betreiberkonzernen nun mit viel Geld versüßt. Archivbild: dpa
Die Energie-Konzerne RWE, Vattenfall und Mibrag legen ab 1. Oktober 2016 mehrere Braunkohlekraftwerke schrittweise still und werden dafür entschädigt. Darauf haben sich die drei Konzerne mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) verständigt. Die Gesamtkosten werden über sieben Jahre bei 1,61 Milliarden Euro liegen.

Das bedeutet nach Angaben der Regierung einen Anstieg der Netzentgelte, die alle Stromkunden bezahlen müssen, um rund 0,05 Cent pro Kilowattstunde. Private Verbraucher dürften damit zunächst zwar kaum spürbar belastet werden - jedoch könnten die Netzentgelte wegen des Ausbaus der Stromnetze absehbar weiter steigen. Gabriel betonte am Samstag: "Die Maßnahme ist wichtig, um unsere Klimaziele zu erreichen und zugleich sicherzustellen, dass es in den betroffenen Regionen nicht zu Strukturbrüchen kommt." Die Abschaltung der Braunkohle-Kraftwerke mit einer Gesamtleitung von 2,7 Gigawatt soll den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) um bis zu 12,5 Millionen Tonnen verringern.

"Gabriel schafft mit Milliardenkosten eine Kohlereserve, die niemand braucht. Es geht einzig und allein darum RWE, Vattenfall und Mibrag milliardenschwere Stilllegungsprämien für altersschwache Kraftwerke zu zahlen", kritisierte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Die Bergbau-Gewerkschaft IG BCE zeigte sich zufrieden. "Mit den konkreten Verabredungen geht die Zeit der Unsicherheit für die Beschäftigten und die Unternehmen zu Ende", sagte IG BCE-Chef Michael Vassiliadis. Entscheidend sei, dass der Arbeitsplatzabbau ohne Entlassungen über die Bühne gehe. Auf die schrittweise Stilllegung von Braunkohlekraftwerken hatten sich die Parteichefs von CDU, CSU und SPD bereits am 1. Juli verständigt. Sie ist Teil eines Energie- und Klimapakets, um den Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. RWE, der zweitgrößte Versorger in Deutschland, kündigte am Sonntag an, dass im Unternehmen durch das Abschalten von fünf Kraftwerksblöcken in der Zukunft bis zu 1000 Arbeitsplätze wegfallen werden.
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