Ab Mittwoch großes Christentreffen in der Leipziger Diaspora
Kirchentag im katholischen Niemandsland

"Seht, da ist der Mensch." Unter diesem Motto steht der Katholikentag, der am Mittwoch in Leipzig eröffnet wird. Bild: dpa

Von Birgit Zimmermann und Stefan Kruse, dpa

Leipzig. Vor dem Katholikentag in Leipzig vom 25. bis 29. Mai ist viel von Hoffnung die Rede. "Ich persönlich - und ich hoffe viele Leipzigerinnen und Leipziger - freuen sich auf diesen Katholikentag", sagt Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Und Martin Stauch, Geschäftsführer des Katholikentages, sagt: "Es ist eine Großveranstaltung, die hoffentlich Leipzig bereichern wird."

Die Wünsche vorab haben einen Grund: Leipzig, die boomende Messe-Metropole im Osten Deutschlands, ist tiefste Diaspora. Vor allem Katholiken gibt es hier kaum. Ganze 4,3 Prozent der rund 570 000 Einwohner sind katholisch.

Dass die Veranstalter ihr Kirchenfest ins Niemandsland des Katholizismus verlegt haben, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Theodor Bolzenius vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Der Laienverband organisiert die Katholikentage alle zwei Jahre in einer anderen Stadt. "Wir haben einen Ort gesucht, der für das steht, was sich in der Bundesrepublik allgemein entwickelt", sagt Bolzenius. Seit Jahren verlieren die Kirchen Mitglieder. Die katholische Kirche hatte 2014 nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 23,9 Millionen Mitglieder. 2005 waren es noch 25,87 Millionen. Bei der evangelischen Kirche sieht es ähnlich aus.

Leipzig sei ein Test, meint Bolzenius: "Wie werden wir in den nächsten 50, 100 Jahren als Katholiken in diese Gesellschaft hineinwirken können?" Deswegen gibt es beim 100. Katholikentag zahlreiche Veranstaltungen, die offen für alle sind. Da ist der Themenbereich "Leben mit und ohne Gott", da gibt es ein großes Straßenfest "Danke Leipzig", da sollen Katholikentags-Teilnehmer die Menschen in der Stadt zu einem Picknick einladen. "Wir würden uns sehr freuen, wenn es gelingt, wenn sich die Leipziger einladen lassen", so Bolzenius. Bemerkenswert ist, dass etwa zwei Drittel der katholischen deutschen Bischöfe nach Leipzig kommen. Im Vergleich zu früheren Katholikentagen, die viele aus dem Klerus aus Angst vor allzu kritischen Tönen gerne mieden, ist das eine stattliche Zahl.

Eine Sache ging allerdings schon vor Beginn nicht glatt: Erstmals in der Geschichte des Kirchentreffens wurden nicht genug Privatquartiere gefunden. Für 800 Teilnehmer fehlten Schlafmöglichkeiten. Sie kommen nun in Schulen oder einem leerstehenden Flüchtlingsheim unter. Für Wirbel sorgte auch die Weigerung der Veranstalter, AfD-Vertreter zu den politischen Diskussionsrunden einzuladen.

Mehr als 30 000 Dauerteilnehmer haben sich nach Angaben des ZdK angemeldet. Dazu erwarten die Veranstalter noch einmal rund 15 000 Tagesgäste. Mehr als 1000 Veranstaltungen stehen auf dem Programm.
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