Abgeordnetenwatch stellt Liste zu Abgeordneten des Bundestags vor
Lukrative Nebenjobs

Philipp Graf von und zu Lerchenfeld steht, wie schon in der Abgeordnetenwatch-Tabelle des Vorjahres, an der Spitze der Topverdiener. Archivbild: dpa

Gut 9300 Euro Diäten kassieren Bundestagsabgeordnete derzeit im Monat. Ein Viertel der Parlamentarier gibt Nebenverdienste zu Protokoll - manche in siebenstelliger Höhe. Die Spitzenverdiener stammen allesamt aus der Union.

Berlin. (dpa/bm) Fast die Hälfte der CSU-Bundestagsabgeordneten (27 von 56) hat nach Berechnungen von Abgeordnetenwatch.de teils erhebliche Zusatzeinkünfte durch Nebentätigkeiten. Bei der CDU ist es demnach gut jeder Vierte (29 Prozent), bei der SPD jeder Fünfte (21 Prozent). Insgesamt hätten 162 von 630 Volksvertretern seit der Bundestagswahl 2013 mindestens einen Zusatzverdienst neben ihren Diäten (seit Juli 9327 Euro pro Monat) ausgewiesen, berichtete die Organisation am Dienstag in Berlin.

Lerchenfeld Spitzenreiter


Sechs Abgeordnete kämen auf Zusatzeinkünfte der nach oben offenen Höchststufe 10, also über 250 000 Euro. An der Spitze der Topverdiener steht - wie schon in der Abgeordnetenwatch-Tabelle des Vorjahres - der CSU-Finanzpolitiker und Landwirt Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (Wahlkreis Regensburg) mit mindestens 1 729 500 Euro seit der Wahl 2013. Unter den zehn Abgeordneten mit den höchsten Zusatzeinkommen findet sich nur ein Sozialdemokrat: Peer Steinbrück auf Platz 7 mit mindestens 590 500 Euro. Bei den Grünen streichen 17,5 Prozent der Abgeordneten Nebenverdienste ein (11 von 63), bei der Linkspartei 14 Prozent (9 von 64). "Insgesamt kassierten die Parlamentarier in der laufenden Legislaturperiode mindestens 18,07 Millionen Euro nebenher", aber es könnten auch bis zu 33,6 Millionen Euro sein, hieß es. Der Grund: Abgeordnete müssen nicht die tatsächliche Höhe eines Nebenverdienstes veröffentlichen, sondern ihre Einkünfte nur einer von zehn groben Stufen zuordnen.

Mehr als die Kanzlerin


Laut Abgeordnetenwatch.de kommt Dagmar Wöhrl (CSU, Wahlkreis Nürnberg Nord) auf mindestens 623 000 Euro, Hartmut Koschyk (Wahlkreis Bayreuth) auf mindestens 38 000 Euro, Hans-Peter Friedrich (Wahlkreis Hof) auf mindestens 33 000 Euro, Karl Holmeier (Wahlkreis Schwandorf) auf mindestens 21 000 Euro und Alois Karl (Wahlkreis Amberg) auf mindestens 14 000 Euro. Die übrigen Abgeordneten aus der Oberpfalz hatten der Organisation zufolge keine anzeigepflichtigen Nebeneinkünfte.

Dass Abgeordnete mit ihrem Nebenjob unter Umständen mehr als Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verdienen, sei skandalös. "Wir müssen jetzt darüber diskutieren, ob Nebeneinkünfte nicht komplett verboten gehören", sagte der Geschäftsführer von Abgeordnetenwatch, Gregor Hackmack. Bei Freiberuflern und Selbstständigen sei nicht bekannt, woher die Einkünfte stammen. Nur wenige Abgeordnete wie Lerchenfeld legten immerhin freiwillig offen, wer ihre Geschäftspartner sind. Hackmack: "Wenn unsere Volksvertreter mehrere Millionen Euro von unbekannten Geldgebern kassieren, ist dies ein Einfallstor für Lobbyisten."
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