Absturz eines US-Kampfjets in der Oberpfalz beschäftigt die Bundeswehr
Bundeswehr hat übernommen

Wrackteile rund um die Absturzstelle: Pilot Ryan hatte Ballast wie zwei Zusatztanks und Übungsbomben zuvor abgeworfen, um die Maschine wieder hoch zu bekommen. Ohne dieses Manöver wäre die Waldbrand- und Explosionsgefahr deutlich höher gewesen. In einem Interview (siehe Kasten) sagt er, er hoffe, keinen Ärger zu bekommen: "Ich habe immerhin eine 30-Millionen-Dollar-Maschine kaputtgemacht." Bild: mor

Der Spuk ist fast vorbei. Hatten gestern noch rund 500 Einsatzkräfte und ihre Löschzüge die Dörfer rund um die Absturzstelle fest im Griff, konzentriert sich der militärische Sicherheitsbereich jetzt auf ein Areal von etwa 100 Quadratmetern.

Es steht endgültig fest: Die Absturzstelle des US-Kampfjets, der am Dienstagmorgen um 9.38 Uhr am Boden aufschlug, liegt in der Oberpfalz. Genauer gesagt: "Auf Neustädter Grund etwa 48 Meter von der Landkreisgrenze zu Bayreuth", konkretisiert Michael Rebele, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Wer mit wem warum Kompetenzstreitigkeiten ausgetragen habe, die das bayerische Innenministerium mit einem Schiedsspruch zugunsten Oberfrankens geschlichtet haben soll, kann keiner so recht nachvollziehen: "Wir können mit dieser Geschichte überhaupt nichts anfangen", sagt Rebele. "Die polizeiliche Einsatzleitung war in der Oberpfalz, das Präsidium Oberpfalz hat bis zum Schluss geführt."

Örtlichkeit ausschlaggebend

Zwar hätten zunächst die Oberfranken das Kommando gehabt: "Die Kollegen konnten ja fast mit dem Rad hinfahren." Aber nachdem sehr rasch über die Koordinaten die Stelle exakt geortet worden sei, "ging das fließend ineinander über. Die Örtlichkeit ist für die Zuständigkeit ausschlaggebend". Im Übrigen habe man mit den Kollegen in Oberfranken "hervorragend kooperiert". Genau andersherum, aber genau so kooperativ verlief die Zusammenarbeit der Feuerwehren: "Uns hat das Kompetenzgerangel nicht interessiert", sagt Richard Meier, Kreisbrandrat von Neustadt/Waldnaab. "Die Einsatzleitung hatte der Bayreuther Kreisbrandrat Hermann Schreck aufgebaut, weil wir zunächst davon ausgingen, dass der Absturz auf Prebitzer Gebiet war." Und da die Feuerwehr pragmatisch ist, sagten die Verantwortlichen: "Wir lassen das, wie's ist." Inzwischen ist auf beiden Seiten dieser unwesentlichen Landkreisgrenze wieder Normalität eingekehrt. Polizei und Feuerwehren, mit Ausnahme einiger Spezialisten der Grafenwöhrer Armee-Feuerwehr, werden nicht mehr gebraucht. Für die Sicherung des militärischen Sicherheitsbereichs ist die Bundeswehr zuständig. "Bei besonderen Vorkommnissen auf deutschem Territorium besteht die Möglichkeit, dass die Bundeswehr für alliierte Streitkräfte sperrt und sichert", erklärt Oberleutnant Thimm vom Feldjägerregiment 3. "Das sind in erster Linie Militärpolizisten aus der Region, nachdem die Gefährdung nicht akut und die Lage übersichtlich ist."

Eine Flugunfallkommission, die sich aus Personal der Bundeswehr und der US-Armee zusammensetze, habe die Arbeit aufgenommen: "Spezialisten, die auf diesen Flugzeugtyp geschult sind - Techniker und Piloten mit besonderer Erfahrung, die die Absturzursache beurteilen können." Die Sperrung betreffe nur noch wenige Areale von insgesamt vielleicht 150 mal 100 Metern - Bereiche, wo Wrackteile lägen. "Dabei geht's nicht in erster Linie darum, dass davon eine Gefahr ausgeht - wenn Teile gefunden werden, wird man viel mehr beurteilen müssen, ob sie entscheidende Bedeutung für die Beurteilung des Unfalls haben."

Lage nicht verändern

Auch wenn nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Gefährdung mehr zu erwarten sei, sollten Trümmerteile oder Übungsrauchkörper keinesfalls berührt werden: "Verändern Sie diese in ihrer Lage nicht und benachrichtigen Sie die nächste Polizeidienststelle über den Notruf 110", bittet Thimm.

Alle Anwohner könnten mittlerweile wieder weitgehend problemlos passieren. "Es ist nicht auszuschließen, dass noch einmal kurzzeitig Straßen gesperrt werden müssen, wenn Bergegerät eingesetzt wird", schränkt der Oberleutnant ein. Die Polizei habe in Absprache mit den Amerikanern drei Tage angesetzt, um den Einsatz abzuschließen: "Das sind grobe, aber realistische Erfahrungswerte", sagt Thimm, "einen vergleichbaren Fall gab es in Bayern in den letzten zehn Jahren nicht."
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