Ärzte ohne Grenzen verzichtet auf EU-Mittel
Geld stinkt doch?

Brüssel. Aus "Protest gegen die Abschottungspolitik der Europäischen Union" will die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" keine Finanzmittel mehr bei der EU und deren Mitgliedstaaten beantragen. "Wir sehen ... jeden Tag, welches Leid die aktuelle EU-Politik verursacht", begründete ein Sprecher am Freitag in Brüssel die Entscheidung. Die Auswirkungen dieser Politik seien besonders für ungeschützte Gruppen wie Schwangere, Kinder und unbegleitete Minderjährige verheerend.

Die internationale Hilfsorganisation verzichtet damit nach eigenen Angaben auf rund 50 Millionen Euro jährlich. Sie will stattdessen künftig verstärkt auf private Spender setzen. Die EU-Vereinbarung mit der Türkei gegen die Zuwanderung von Flüchtlingen über die Ägäis bezeichnete die Organisation als Versuch, Notleidende aus Europa fernzuhalten. Das sei ein gefährlicher "Präzedenzfall für die Politik anderer Staaten jenseits der EU". Als Folge säßen nun mehr als 8000 Schutzsuchende, darunter viele Familien und unbegleitete Minderjährige, auf Inseln fest.

Die Bundesregierung bedauerte die Entscheidung, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte. Es passe aber zum Kurs der Organisation, die sehr auf Unabhängigkeit setze und sich bereits bisher weit überwiegend aus privaten Fördermitteln finanziert habe.
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