AfD attackiert weiterhin Nationalspieler
Petry greift Ösil an

Ob es eine gute Idee ist, kurz vor der Fußball-Europameisterschaft gegen deutsche Nationalspieler auszuteilen? Die AfD-Spitze attackiert jedenfalls weiter Promi-Kicker als "fremd".

Berlin. (KNA/dpa) AfD-Chefin Frauke Petry hat den muslimischen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil angegriffen. "Es ist schade, dass Mesut Özil als Identifikationsfigur für so viele Kinder und Jugendliche die Nationalhymne nicht mitsingt", sagte sie der "Welt am Sonntag". Zudem kritisierte sie, dass Özil seine Pilgerreise nach Mekka "öffentlich zelebriert" habe. Diese Pilgerreise gehöre zwar zu den religiösen Pflichten eines Muslims. "Ob man sie aller Welt präsentieren muss, steht dahin."

Petry fügte hinzu: "Man könnte Özil fragen, ob er mit diesem Bekenntnis auch eine politische Aussage treffen wollte." Der Nationalspieler hatte ein Foto auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht, das ihn vor der Kaaba in der Heiligen Moschee in Mekka zeigt. Petry unterstellte Özil zudem, dass der Fußballer "nicht nach den Regeln der Scharia" lebe. "Die Frauen, mit denen er sich öffentlich zeigt, tragen jedenfalls kein Kopftuch." Mittelsachsens Kreisvorstand Andrea Kersten nannte die Pilgerfahrt ein "antipatriotisches Signal". AfD-Vize Alexander Gauland bezeichnete die Reise Özils als "sehr gewöhnungsbedürftig". Gauland hatte zuvor auch Jerome Boateng attackiert. Dem "Spiegel" sagte der Politiker nun, die Fußballnationalmannschaft sei "schon lange nicht mehr deutsch im klassischen Sinne".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete im Interview mit der Funke Mediengruppe die AfD als "rechtsdemagogisch". Deren Politiker versprächen eine unrealistische Politik und machten für eigene Probleme immer andere verantwortlich. "Damit begeben sie sich in eine unselige Tradition." Die AfD spiele auf gefährliche Weise mit dem Feuer, "wenn sie die Angst vor Ausländern, die Angst vor Fremden, die Angst vor Neuem schürt", sagte Schäuble.

Gauland kritisierte mit einem Slogan der NPD die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Er berief sich in Elsterwerda (Brandenburg) auf den Satz: "Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land." In einem Video der Rede vom Donnerstag, das auf Youtube veröffentlicht wurde, ist zu sehen, wie Gauland den Slogan von einem Schild abliest, das ein Zuhörer hochhält. Diese Parole ist laut bayerischem Verfassungsschutz auch von der rechtsradikalen NPD benutzt worden und gehört zu "typischen Redemustern der rechtsextremistischen Szene". Gauland bezeichnete Merkel zudem als "Kanzlerin-Diktarorin".

Die AfD ist rechtsdemagogisch. Das gilt nicht für alle ihre Wähler und deren Besorgnisse; die nehme ich ernst. Aber die führenden Politiker der AfD betreiben Demagogie.Wolfgang Schäuble (CDU), Bundesfinanzminister
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.