AfD auf dem Durchmarsch
Siege für Kretschmann und Dreyer

Malu Dreyer (SPD), die Siegerin in Rheinland-Pfalz, steuert nun zunächst eine Ampelkoalition mit Grünen und FDP an. Für Reiner Haseloff (CDU) in Sachsen-Anhalt reicht möglicherweise nicht einmal mehr eine Große Koalition mit der arg gerupften SPD für eine Regierungsmehrheit. Bilder: dpa
 
Malu Dreyer (SPD), die Siegerin in Rheinland-Pfalz, steuert nun zunächst eine Ampelkoalition mit Grünen und FDP an. Für Reiner Haseloff (CDU) in Sachsen-Anhalt reicht möglicherweise nicht einmal mehr eine Große Koalition mit der arg gerupften SPD für eine Regierungsmehrheit. Bilder: dpa

Stuttgart/Mainz/Magdeburg. Schwere Niederlage für die CDU, Freude und Frust bei der SPD, sehr starke Grüne in Baden-Württemberg und eine triumphierende AfD: Die Landtagswahlen am Sonntag haben die Parteienlandschaft gehörig verändert. Der Einzug der Rechtspopulisten in die Landesparlamente von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt mit zweistelligen Ergebnissen macht die Regierungsbildung schwierig. Die Abstimmungen am "Super-Sonntag", dem wichtigsten Wahltermin seit der Bundestagswahl, galten auch als Votum über die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

In Baden-Württemberg wurden die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik stärkste Partei. Allerdings reicht es nicht für eine Fortsetzung der bundesweit ersten grün-roten Koalition. Die Grünen schoben sich in der einstigen CDU-Hochburg vor die Christdemokraten. Diese brachen mit ihrem eher blassen Spitzenkandidaten Guido Wolf völlig ein und wurden erstmals seit Gründung des Bundeslandes nicht stärkste Partei. Auch die SPD fuhr ihr mit Abstand schlechtestes Wahlergebnis im "Ländle" ein. Damit käme ein Bündnis von Grünen und CDU in Frage. Rechnerisch wären allerdings auch Dreierbündnisse mit der FDP möglich: Einer rot-gelb-grünen Ampel standen vor der Wahl aber die Liberalen skeptisch gegenüber, einer schwarz-rot-gelben "Deutschland-Koalition" die Sozialdemokraten. Die unterlegene CDU erhob aber Anspruch auf den Chefposten: "Wir wollen den Politikwechsel, wir wollen den Ministerpräsidenten stellen", sagte Landeschef Thomas Strobl. Wolf sagte, man wolle mit SPD und FDP, aber auch mit den Grünen sprechen.

Klöckner abgeschlagen


Im Duell der Frauen in Rheinland-Pfalz verwies die SPD von Regierungschefin Malu Dreyer die CDU von Herausforderin Julia Klöckner nach dramatischem Wahlkampfendspurt doch noch auf Platz zwei - Rot-Grün als Koalition wurde aber abgewählt. Demnach käme eine Große Koalition von SPD und CDU in Frage oder ein Dreierbündnis mit Grünen und FDP. Dreyer strebt letzteres an: "Wir haben auch gute Zeiten in Rheinland-Pfalz erlebt gemeinsam mit der FDP", sagte sie. In Sachsen-Anhalt fuhr die noch junge AfD, die nunmehr in 8 der 16 Landtage vertreten ist, ein Rekordergebnis ein: Mit bis zu 24 Prozent wurde sie zweitstärkste Partei. Die seit 2002 regierende CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff verlor etwas, verteidigte aber ihre Position als stärkste Partei. Allerdings stürzte ihr Juniorpartner SPD wie in Baden-Württemberg dramatisch ab. Nach den Hochrechnungen war zunächst allein Schwarz-Rot-Grün realistisch, nur bei einem Scheitern der Grünen könnte Schwarz-Rot möglicherweise doch weiterregieren.

Kein Plebiszit gegen Merkel


Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in den Ergebnissen nur auf den ersten Blick ein Plebiszit gegen Merkels Flüchtlingspolitik. "Wer in den Volksparteien zu sehr nach den Rändern schielt, wie dieses Mal die Spitzenkandidaten der CDU in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit ihrer Absetzbewegung von Merkel, verliert die breite Mitte und kann keine Wahl gewinnen", erklärten die Mannheimer.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.