AfD-Vorsitzende greift Zeitung an
Petry schießt sich auf Medien ein

Der Umgang der AfD mit Flüchtlingen ist inhuman, unmenschlich und nicht zu ertragen.

Dresden. Nach der massiven Kritik an ihren Äußerungen zum Schusswaffengebrauch an der Grenze hat die AfD-Vorsitzende Frauke Petry die Medien angegriffen. Dem "Mannheimer Morgen" warf sie eine "verkürzte und völlig sinnentstellte" Wiedergabe ihrer Worte vor. "Man wollte die Schlagzeile produzieren, dass die AfD auf Flüchtlinge schießen will", sagte Petry am Dienstag in Dresden. Das habe aber niemand gesagt. Sie halte das "für journalistisch total inakzeptabel". Das Interview sei im "Stil eines Verhörs" geführt worden. Mit ihren Äußerungen hatte Petry bei den anderen Parteien einen Proteststurm ausgelöst.

Der Chefredakteur vom "Mannheimer Morgen", Dirk Lübke, wies den Vorwurf zurück, der AfD-Chefin die Worte in den Mund gelegt zu haben. "Die perfide Tabu-Brecherin Petry stilisiert sich gerade zum kleinen, ahnungslosen Mädchen, was nicht wusste, was es gesagt hat", sagte Lübke auf Anfrage.

Interview selbst angeboten


"Was ist daran nötigend, wenn Frauke Petry uns selber das Interview angeboten hat, sie und ihr Sprecher jedes Wort zur Autorisierung vorgelegt bekommen haben, jedes Wort und jeden Satz mehrmals gelesen und schließlich zur Veröffentlichung freigegeben haben?", fragte der Chefredakteur. Petry hatte der Zeitung gesagt, Polizisten müssten illegale Grenzübertritte von Flüchtlingen verhindern, "notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz".

Ihre Führungsrolle in der eigenen Partei sieht Petry nicht in Frage gestellt. "Ich stehe da, wo ich stehe und ich glaube, ich habe ausreichend Unterstützung hinter mir", sagte sie in Dresden: "Sehe ich so aus, als sei ich unter Druck?" Auf einer Schaltkonferenz des Bundesvorstandes habe es "keine Tagesordnungspunkte zur Amtsführung" gegeben. Die 40-Jährige bezog sich auf einen Bericht der "Bild-Zeitung" vom Dienstag, wonach die AfD bereits nach einer Alternative für Petry suche.

Auch Petrys früherer Weggefährte Bernd Lucke, der die Alternative für Deutschland im Sommer 2015 verlassen hatte und eine neue Partei gründete, meldete sich zu Wort. "Der Umgang der AfD mit Flüchtlingen ist inhuman, unmenschlich und nicht zu ertragen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag).

Abfuhr vom ZdK


Das Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) hat seinen Beschluss bekräftigt, keinen Vertreter der AfD im Programm des 100. Deutschen Katholikentags Ende Mai mitwirken zu lassen. "Durch die aktuellen Wortbeiträge der AfD in der Flüchtlingsdebatte sehen wir uns in dieser Entscheidung noch einmal bestärkt", sagte der Sprecher Theodor Bolzenius dem Internetportal kirchensite.de des Bistums Münster.
Der Umgang der AfD mit Flüchtlingen ist inhuman, unmenschlich und nicht zu ertragen.Frauke Petrys früherer Weggefährte Bernd Lucke
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.