Afghanistan
Selbstmordanschlag auf deutsches Konsulat in Masar-i-Scharif [Aktualisierung]

Das von einem afghanischen Journalisten auf Twitter weiterverbreitete Foto soll die Explosion des Angriffs auf das deutsche Konsulat zeigen.
 
Ein afghanischer Soldat geht über die Trümmer rund um das deutsche Konsulat.

Brutaler Angriff auf das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif: Sechs Menschen werden getötet, mehr als 120 verletzt. Die radikalislamischen Taliban sagen, es sei Rache für zivile Tote nach einem Luftangriff. Doch an diesem waren die Deutschen nicht beteiligt.

Masar-i-Scharif. (dpa/paa) Bei einem Angriff der radikalislamischen Taliban-Milizen auf das deutsche Generalkonsulat in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Sharif sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Nach Angaben der örtlichen Behörden vom Freitagmorgen gab etwa 120 Verletzte. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) berief einen Krisenstab ein. "Alle deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Generalkonsulats sind sicher und unverletzt. Das Gebäude des Generalkonsulats ist erheblich beschädigt", teilte das Auswärtige Amt mit. "Es ist noch nicht abschließend geklärt, wieviel afghanische Zivilisten und Sicherheitspersonal bei dem Angriff ums Leben gekommen oder verletzt worden sind."


Ex-Amberger übernimmt Kommando

Für ihren Anschlag hatten sich die Taliban einen für die Deutschen besonderen Tag ausgesucht. Am Donnerstag übernahm der ehemalige Kommandeur der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz", Brigadegeneral André Bodemann, die Führung über das deutsche „Resolute Support“-Kontingent und das multinationale Train, Advise & Assist Command-North (TAAC-N). Er löste Brigadegeneral Hartmut Renk ab, der seit Mitte Dezember 2015 an der Spitze des multinationalen Einsatzes in Nordafghanistan stand.

Das deutsche Konsulat war erst im Juni 2013 eröffnet worden. Die Vertretung befindet sich im Zentrum der Stadt, unweit der berühmten Blauen Moschee. Aus Sorge vor Anschlägen ist sie streng gesichert, unter anderem durch eine etwa fünf Meter hohe Mauer. Trotzdem gelang es den Tätern, aufs Botschaftsgelände vorzudringen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts bestätigte am Abend, dass es auch dort zu "Kampfhandlungen" gekommen sei. Der afghanische Journalist Bilal Sarwary berichtete, am Freitagmorgen hätten afghanische Kräfte einen Attentäter festgenommen. Er hätte sich in den Trümmern versteckt.

Auch deutsche Soldaten im Einsatz

Der Angriff begann nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr gegen 23.05 Uhr Ortszeit. Sofort seien Kräfte, darunter georgische Soldaten, aus dem von der Bundeswehr geführten Lager Camp Marmal - etwa zehn Kilometer entfernt - zum Konsulat entsandt worden. In dem Lager sind derzeit noch etwa 1000 deutsche Soldaten stationiert, darunter auch eine sogenannte Schnelle Eingreiftruppe.

Am späten Donnerstagabend hatte der Polizeichef der Provinz, Saied Sadat, noch gesagt, es handele sich nach bisherigen Erkenntnissen um nur einen Attentäter, Es sei nun ruhig, die Lage sei unter Kontrolle. Deutsche Truppen hätten die Gegend um das Gebäude abgeriegelt. Sie würden das Gebäude Zimmer für Zimmer durchkämmen. Auch afghanische Spezialkräfte seien vor Ort.

Mit Sprengstoff beladener Lastwagen

Der Attentäter habe einen mit Sprengstoff gefüllten Lastwagen gegen eine Außenmauer des Konsulats gefahren, sagte Polizeichef Sadat weiter. Es habe sich um einen Kohlelaster gehandelt. Der Sprengstoff sei unter Kohlebrocken verborgen gewesen. Nach örtlichen Medienberichten gab es möglicherweise zwei Autobomben. Teile des Konsulats seien schwer beschädigt.

In der unmittelbaren Gegend ist nach der Explosion der Strom ausgefallen. Anwohner hatten von einer gewaltigen Explosion berichtet, die einen mehrere Meter tiefen Krater in die Straße vor dem Konsulat gerissen hatte.

Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Der Angriff sei als Vergeltung für einen Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kundus erfolgt. Sie gaben an, "Dutzende Ausländer getötet und verwundet" zu haben. Afghanische Behörden und das Auswärtige Amt in Berlin bestätigten dies nicht. Taliban-Angaben gelten grundsätzlich als übertrieben. In der im Internet veröffentlichten Stellungnahme der Taliban hieß es, die "Märtyrer-Attacke" habe gegen 23 Uhr nachts begonnen und werde von heiligen Kriegern (Mudschahedin) des Islamischen Emirats durchgeführt. Es seien mehrere Gebäude auf dem Gelände des Generalkonsulats zerstört worden.

US-Luftangriff in Kundus

Am 3. November waren in Kundus US-Streitkräfte afghanischen Streitkräften unter Beschuss mit einem Luftangriff zu Hilfe gekommen. Dabei waren mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Der Angriff löste international Kritik aus. Der Tod von Zivilisten sei nicht hinnehmbar und untergrabe die Bemühungen zum Aufbau von Frieden und Stabilität in dem Land, sagte der UN-Beauftragte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto. Seit März ist ein kleines Kontingent deutscher Soldaten in Kundus zur Beratung der afghanischen Armee. An dem Luftangriff waren sie nach
Auskunft der Bundesregierung nicht beteiligt.
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