Altkanzler Schröder: Sanktionen sind der falsche Weg
"Russland-Versteher"

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder fühlt sich Russland weiter eng verbunden und will trotz Kritik auch künftig als "Russland-Versteher" für bessere Beziehungen werben. Der Begriff "Russland-Versteher" sei zu einem Kampfbegriff geworden, mit dem jene diskreditiert werden sollten, die eine differenzierte Debatte führen wollten, sagte Schröder am Mittwoch in Rostock auf dem Russland-Tag, der wegen der Rolle Moskaus im Ukraine-Konflikt umstritten ist. "Ich stehe dazu, dass ich Russland, seine Menschen und seine politische Führung verstehen will. Ich schäme mich dafür nicht, im Gegenteil: Ich bin stolz darauf."

Schröder warb dafür, den Dialog mit Russland trotz des Ukraine-Konflikts zu suchen und an das zuvor partnerschaftliche Verhältnis anzuknüpfen. "Nur so kann Vertrauen entstehen, das derzeit fehlt", sagte er in Rostock. Gegenseitige Vorwürfe, Drohungen und Sanktionen seien der falsche Weg. "Wir sollten uns vielmehr auf die Elemente der alten Entspannungspolitik besinnen", mahnte Schröder.

Mauerbau verschoben

Die ukrainische Führung hat unterdessen den umstrittenen Bau einer knapp 2300 Kilometer langen Mauer an der Grenze zu Russland auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grenzschutz habe der Regierung in Kiew Änderungen an dem Projekt vorgeschlagen, berichtete die Kiewer Tageszeitung "Kapital" am Mittwoch.

Inmitten des Ukraine-Konflikts hat Russland unterdessen sein ältestes Schüler-Austauschprogramm mit den USA auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. An dem seit 21 Jahren laufenden Projekt werde Russland vorerst nicht mehr teilnehmen, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Die dortige US-Botschaft nannte den Schritt "zutiefst bedauerlich". Bisher hätten mehr als 8000 russische Schüler die Chance genutzt, das Leben in den USA kennenzulernen.
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