An Assad führt kein Weg vorbei

Die Zeit scheint für Baschar al-Assad zu arbeiten. Der syrische Präsident (im Bild am Freitag bei einem seiner selten gewordenen öffentlichen Auftritte beim Gebet in der al-Adel-Moschee in Damaskus) gilt plötzlich wieder als Partner für Friedensverhandlungen. Bild: dpa

Angela Merkel will Gespräche mit Syriens Machthaber über ein Ende des Bürgerkriegs. Das stößt in Damaskus, Moskau und Teheran auf Genugtuung. Assads Gegner aber sind von diesen Äußerungen schwer enttäuscht.

Im syrischen Bürgerkrieg schien das Ende von Machthaber Baschar al-Assad schon mehr als einmal gekommen. Bereits vor drei Jahren sah es so aus, als könnte der Aufstand gegen das Regime in Damaskus den Machthaber stürzen. Eins aber hat Baschar von seinem Vater und Vorgänger Hafis al-Assad gelernt: Wie er mit skrupelloser Gewalt seinen Sturz verhindert. Mit Hilfe einflussreicher Partner konnte er sich bis heute an der Macht halten.

In seinen seltenen Interviews mit westlichen Medien zeigte sich Assad stets unbeirrt, auch in Zeiten, als das Regime eine Niederlage nach der anderen erlebte. Immer wieder verbreitete er die Botschaft: Nur er sei der rechtmäßige Präsident Syriens. Alle Gegner stempelte er als "Terroristen" ab, auch die moderaten Kräfte.

Genugtuung in Teheran

Durch die jüngsten Äußerungen verschiedener Staatsführer dürfte sich der gelernte Augenarzt bestätigt sehen. Angela Merkel erklärte nach Ende des EU-Gipfels in Brüssel, für eine Lösung des Syrienkonfliktes müsse auch mit dem Präsidenten in Damaskus gesprochen werden. Selbst einer von Assads erbittertsten Gegnern, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, kann sich plötzlich zumindest in der Übergangsphase eine Rolle für Assad vorstellen.

Solche Worte werden vor allem in Russland und im Iran mit Genugtuung gehört, schließlich sind beide Länder die treuesten Verbündeten des syrischen Regimes. Dass sich Assad bislang halten konnte, hat er nur ihnen zu verdanken. Der Iran unterstützt Damaskus schon seit langem mit Milliarden, Öl und Waffen. Zudem kämpft die von Teheran finanzierte libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah an der Seite der Assad-Anhänger. Manche Assad-Gegner halten sie längst für die eigentliche Macht in dem Bürgerkriegsland.

Auch Moskau hat seine Waffenhilfe für Syrien aufgestockt. Seit Tagen fliegt die syrische Luftwaffe Einsätze mit Jets, die Moskau vor kurzem geliefert hat. Mehrere Indizien deuten zugleich daraufhin, dass Russland seine Militärpräsenz an der syrischen Mittelmeerküste rund um die Stadt Latakia deutlich verstärkt.

Patt im Bürgerkrieg

Wendet sich also das Blatt in dem mehr als vierjährigen Bürgerkrieg zugunsten von Assad? Kann er den Aufstand jetzt sogar niederschlagen? Danach wiederum sieht es nicht aus. Zwar beherrschen Assads Anhänger noch immer die größten Städte des Landes, trotzdem haben sie massiv an Boden verloren. Auch Russlands Hilfe dürfte nichts daran ändern, dass die Kräfte des Regimes ausgelaugt sind. Letztlich bekräftigt Moskaus Hilfe nur eine Erkenntnis der vergangenen Monate: Keine Seite ist stark genug, um den Bürgerkrieg militärisch zu gewinnen.

Echte Verhandlungen über ein Ende des Bürgerkrieges aber liegen ebenfalls in weiter Ferne - daran ändern auch Worte wie die von Merkel nichts. Für die Mehrheit von Assads Gegnern ist es undenkbar, dass der Machthaber und seine wichtigsten Mitstreiter Gesprächspartner sind oder sogar auf ihren Posten bleiben. Sie werfen dem Regime Verbrechen gegen das eigene Volk vor, nicht zuletzt, weil die Luftwaffe regelmäßig Zivilisten mit den international geächteten Fassbomben angreift.

Vielmehr zeigen sich die Regimegegner im Land mehr und mehr enttäuscht von der internationalen Gemeinschaft, von der sie sich alleingelassen fühlen. "Wir vertrauen den Weltmächten nicht mehr", sagt etwa Mohammed Al-Abdallah, Aktivist aus der Nähe von Damaskus. Für ihn ist klar: "Ein Führer, dessen Soldaten die eigene Bevölkerung töten, sollte hingerichtet werden und nicht Teil von Verhandlungen sein."
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