Angela Merkel und die Flüchtlingspolitik
Kanzlerin im Umfrage-Dilemma

Spätestens am 15. August ist für Bundeskanzlerin Angela Merkel der Urlaub vorbei - dann trifft sich der CDU-Vorstand in Berlin. Bis dahin dürfte sie Mühe haben, in Südtirol so richtig auszuspannen. Bild: dpa

Für die Bundeskanzlerin zeigt sich ein tückischer Umfrage-Effekt: Verliert sie in Zeiten von Flüchtlingskrise und Terror an Zustimmung, gewinnt ihr Rivale Seehofer und umgekehrt. Für Angela Merkel wird das kein entspannter Sommerurlaub.

Berlin. Ruhe. Wiesen. Und dahinter erhabene Dreitausender. Das Örtchen Sulden in Südtirol lockt als Erholungsziel zum Auftanken. Das schätzt auch Stammgast Angela Merkel, die gern zum Wandern kommt und jetzt wieder mit ihrem Mann Joachim Sauer angereist ist - ein normaler Urlaub. Dabei lässt sich die kurze Auszeit für die Kanzlerin, die ja nie ganz außer Dienst ist, diesmal besonders zwiespältig an. Nach den jüngsten Anschlägen in Bayern ist tiefsitzender Unmut über ihren umstrittenen Asylkurs gewaltig angeschwollen. Und nun stürzen auch noch die Zustimmungswerte geradezu in eine sommerliche Schlucht.

Kein robuster Rückhalt


Wie brüchig ihr Rückhalt in der Flüchtlingskrise ist, erlebt die CDU-Vorsitzende nicht zum ersten Mal. Im Februar waren nur 46 Prozent im ARD-"Deutschlandtrend" zufrieden mit ihr - so wenig wie nie seit der Wahl 2013. Und auf Augenhöhe mit 45 Prozent lag ein gewisser Horst Seehofer, der als Chef der Schwesterpartei CSU Dauerattacken gegen die Kanzlerin fuhr. Dann sanken die Flüchtlingszahlen - und Seehofer rutschte auf 33 Prozent im Juli ab, während sich Merkel schon wieder auf einem Spitzenwert von 59 Prozent erholen konnte.

Nach den Terroranschlägen zweier Flüchtlinge in Würzburg und Ansbach ist die Umfrage-Balance zwischen den beiden Unionsgranden nun aber wieder abrupt gekippt. Die Kanzlerin sackte auf 47 Prozent, und Seehofer legte spiegelbildlich auf 44 Prozent zu. Was vorerst nur eine Momentaufnahme ist, könnte das mühsam überdeckte Asyl-Zerwürfnis zwischen CDU und CSU in den nächsten Wochen weiter nähren.

Denn schon ohne demoskopische Zusatz-Argumente machten Christsoziale nach den wohl islamistisch motivierten Gewaltakten in Bayern keinen Hehl daraus, dass sie sich in all ihren Warnungen bestätigt sehen. Merkels Mantra "Wir schaffen das", von dem die Kanzlerin weiter nicht abrückt, ist für viele CSUler nur noch ein rotes Tuch. "Ich kann mir diesen Satz auch beim besten Willen nicht zu eigen machen", sagte es Seehofer fast noch zurückhaltend. Von Merkel abgeblockte Forderungen wie eine Asyl-Obergrenze will die CSU nun erst recht nicht einmotten.

Spitzentreffen im Herbst


Dabei weiß auch die CDU-Chefin, dass gewalttätige Flüchtlinge ihren Kurs angreifbar machen, wie schon nach den Silvester-Übergriffen in Köln zu sehen war. Merkel unterbrach denn auch ihre ersten Urlaubstage noch in der Nähe Berlins für eine Pressekonferenz, warb um Zuversicht und präsentierte ein - nicht komplett neues - Anti-Terror-Paket. Dass es nach der Sommerpause irgendwie gemeinsam weitergehen muss, ist in beiden Unionsparteien klar. Ungerührt Öl ins Feuer wie einst gießt Seehofer jedenfalls vorerst nicht. Eine Reihe gemeinsamer Themen-Konferenzen soll die Spitzenleute von CDU und CSU im Herbst einander näher bringen.

Denn auch für den Bundestagswahlkampf gibt es dringenden Klärungsbedarf - von einem gemeinsamen Programm bis zur großen, nach wie vor offenen Frage: Tritt Merkel 2017 wieder an? Ihre ruhigeren Urlaubstage dürften da schnell verfliegen. Rückkehr in den Alltag: spätestens am Montag, 15. August, im CDU-Vorstand in Berlin.
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