Angriff auf IS-Lager
USA bombardieren Terrordrahtzieher

Deutschland und die Welt
20.02.2016
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Tripolis. Die USA haben in Libyen ein mutmaßliches Lager der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bombardiert. Ziel des Angriffs auf die Stadt Sabrata im Zentrum des Landes war der gesuchte Tunesier Noureddine Chouchane, wie Pentagon-Sprecher Peter Cook am Freitag in Washington mitteilte. Dieser wird mit zwei verheerenden Terroranschlägen in Tunesien in Verbindung gebracht. Das Pentagon geht davon aus, dass er getötet wurde. Man sei zuversichtlich, dass Chouchane ausgeschaltet und das Camp zerstört wurde, sagte Cook. Er machte keine genauen Angaben zur Anzahl der Toten. "Wir sind noch dabei, die volle Auswertung zu bekommen, aber zu dem Zeitpunkt hat sich eine bedeutende Anzahl an Kämpfern dort aufgehalten." Aus einer Klinik vor Ort hieß es, mindestens 41 Menschen seien getötet worden.

Chouchane soll einer der wichtigsten Drahtzieher des Terroranschlags im vergangenen Juni im tunesischen Badeort Sousse gewesen sein. Damals erschoss ein Student 38 Menschen. Auch hinter einem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis, bei dem 22 Menschen umkamen, soll Chouchane stecken. Das Terrorcamp im libyschen Sabrata liegt rund 80 Kilometer östlich der tunesischen Grenze. Man habe es seit einiger Zeit beobachtet, sagte Cook. Chouchane und andere hätten dort Angriffe geplant und Kämpfer ausgebildet.

Libyen versinkt seit dem Sturz von Langzeitdiktator Muammar al-Gaddafi vor bald fünf Jahren in einem Bürgerkriegschaos. Mehrere Milizen bekämpfen sich. Zudem gibt es zwei Regierungen und zwei Parlamente. Seit Wochen ringen die Konfliktparteien um die Bildung einer Einheitsregierung. Das Chaos in Libyen machen sich Extremisten wie der IS zunutze. Die Terrormiliz kontrolliert unter anderem einen Küstenstreifen um Sirte, Heimatstadt Gaddafis. Ende 2015 sprachen Diplomaten von einem etwa 200 Kilometer langen Küstenstreifen unter IS-Herrschaft. Das ölreiche Land gilt mittlerweile als Rückzugsort für IS-Kämpfer aus Syrien und dem Irak. US-Präsident Barack Obama hatte erklärt, die USA würden den IS bekämpfen "wo immer er auch auftaucht, so wie wir Al Kaida bekämpft haben, wo immer sie auftauchten." Seit längerem gibt es Spekulation über eine internationale Militärintervention gegen den IS in Libyen.
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