Annaberg-Buchholz öffnet Stadtwohnungen für Flüchtlinge

Carola Lange, Vorsitzende des "Unterstützerkreises" für Flüchtlinge in Weidens Partnerstadt Annaberg-Buchholz. Bild: dpa
Die Bewohner des Erzgebirges in Sachsen sind für ihre Gastfreundschaft bekannt. Dass sie sich in diesen Tagen in Annaberg-Buchholz, der Partnerstadt von Weiden , auch auf Flüchtlinge erstreckt, scheint dagegen nicht selbstverständlich. In Sachsen, wo die islamfeindliche Pegida, Neonazis, Rechtspopulisten und offen auftretende Ausländerfeinde Stimmung gegen Asylsuchende machen, ist das geradezu bemerkenswert. Annaberg-Buchholz hat von Anfang an alle Flüchtlinge in stadteigenen Wohnungen untergebracht. "Die Erfahrungen zeigen uns, dass dieser Weg der richtige ist", sagt Bürgermeister Thomas Proksch und hofft, dass andere Kommunen dem Beispiel folgen.

Proksch ist in Annaberg-Buchholz, der Hauptstadt des Erzgebirges, für Bau und Wirtschaft zuständig. In diesem Amt muss der 50-Jährige praktisch denken. "Natürlich wäre eine zentrale Unterbringung der Betroffenen in einem Heim kostengünstiger. Wir müssen aber überlegen, was uns wichtiger ist. Und das sind Integration und Akzeptanz." Seine Kollegin Manuela Dietz , im Rathaus für die Bereiche Bildung und Soziales mitverantwortlich, pflichtet ihm bei: Fehlende Integration komme mit all ihren Problemen am Ende teurer zu stehen.

Annaberg-Buchholz lässt seine Flüchtlinge über die Stadt verstreut wohnen. Schnell fanden sich Einheimische, die Asylsuchende betreuen wollten. "Wir versuchen ihnen im Alltag zu helfen, beispielsweise bei Behördengängen und Arztbesuchen", berichtet Carola Lange , die den "Unterstützerkreis" der Flüchtlinge anleitet. Auch die Freizeitgestaltung sei ein wichtiges Anliegen: "Die Leute haben nichts zu tun. Das ist das größte Problem der Flüchtlinge. Die können nur warten."

Lange berichtet von Betroffenen, die schon ein Jahr im Erzgebirge sind und noch immer kein Gespräch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatten. Und sie erzählt davon, wie gern die Asylbewerber Deutsch lernen und auch arbeiten möchten. Zwei hat die Stadt in ihrem Betriebshof auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung unter die Fittiche genommen. Proksch kann sich vorstellen, noch mehr Asylbewerber auf diese Weise einzubinden.

Proksch verschweigt nicht, dass ein paar Bewohner auch abfällige Bemerkungen machen. "Das sind meist diejenigen, die immer etwas zu meckern haben." Mitunter fühle man sich von Land und Bund im Stich gelassen,s sagt Proksch. Die Zuschüsse des Landes für die Flüchtlinge reichten nicht aus. Er hofft darauf, dass bereits integrierten Flüchtlinge bei Erhalt eines Aufenthaltstitels auch wirklich in Annaberg-Buchholz bleiben. "Wir wünschen uns, dass die Leute hier sesshaft werden." (dpa)
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