Anschläge in Paris und Brüssel schrecken auf
Verfassungschutz denkt um

Was den IS angeht, müssen wir eben auch dazulernen. Obwohl er es nicht nötig hätte, seine Leute unter die Flüchtlinge zu mischen, hat er es getan. Ich nenne das eine "show of force" (Machtdemonstration).

Haben deutsche Sicherheitsbehörden die Terrormiliz IS unterschätzt? Dass sie Terroristen im Flüchtlingsstrom nach Deutschland reisen lässt, hat der Verfassungsschutz nicht gedacht. Das räumt ein ranghoher Vertreter ein.

Berlin/Brüssel. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat nach Darstellung seines Präsidenten Hans-Georg Maaßen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anfangs falsch eingeschätzt. So habe man es zunächst für unwahrscheinlich gehalten, dass der IS den Flüchtlingsstrom nutzen werde, um Anhänger nach Deutschland zu bringen, sagte Maaßen der "Welt am Sonntag". "Wir dachten, das Risiko sei schlichtweg viel zu hoch. Mittlerweile wissen wir: Was den IS angeht, müssen wir eben auch dazulernen. Obwohl er es nicht nötig hätte, seine Leute unter die Flüchtlinge zu mischen, hat er es getan. Ich nenne das eine 'show of force' (Machtdemonstration)."

Es sei ein großes Problem, dass etwa 70 Prozent der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge keine gültigen Pässe vorlegten. Maaßen erneuerte seine Warnung vor möglichen Terroranschlägen in Deutschland. "Deutsche Städte werden in einem Zusammenhang mit anderen Metropolen wie Paris, London oder Brüssel genannt." Der Verfassungsschutz halte die Sicherheitslage für "sehr ernst". Es lägen jedoch keine Erkenntnisse über konkrete Pläne für Terroranschläge in Deutschland vor.

Laut "Welt am Sonntag" suchen die Sicherheitsbehörden 76 gewaltbereite Islamisten per Haftbefehl. Diese seien zum Teil untergetaucht. Das gehe aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Die Zahl der Ausgereisten nach Syrien oder in den Irak gehe zurück. Nach Erkenntnissen der Regierung seien dies 2015 rund 150 deutsche Islamisten oder Islamisten aus Deutschland gewesen.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Attentäter von Brüssel ursprünglich einen neuen Terroranschlag in Frankreich verüben wollten. Sie kamen aber wegen der Polizeiermittlungen unter Zeitdruck und wichen auf Brüssel als Anschlagsziel aus. Dies teilte die Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. Sie identifizierte zudem den "Mann mit Hut", den dritten mutmaßlichen Terroristen vom Brüsseler Flughafen: Es ist der am Freitag gefasste 31-jährige Belgier Mohamed Abrini. Dieser Fahndungserfolg untermauert die Verbindungen zwischen den Terrorserien von Brüssel und Paris. (Seite 4)
Was den IS angeht, müssen wir eben auch dazulernen. Obwohl er es nicht nötig hätte, seine Leute unter die Flüchtlinge zu mischen, hat er es getan. Ich nenne das eine "show of force" (Machtdemonstration).Hans-Georg Maaßen, Präsident des Verfassungsschutzes
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.