AOK: Regionale Unterschiede bei Operationen
Eingriffe notwendig?

Die Zahl der Mandel- und Blinddarm-Operationen bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen. Doch nach wie vor bestehen erhebliche regionale Unterschiede bei der Zahl der Eingriffe. So gibt es etwa in der Region Magdeburg viermal mehr Mandel-Operationen bei Kindern und Jugendlichen als in der Region Ingolstadt. Zu diesem Ergebnis kommt der Versorgungsreport 2015 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido), der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Die Unterschiede nähren Zweifel, ob alle Operationen nötig sind, zumal sie Kinder und Jugendliche in einem erheblichen Maße körperlich belasten. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) warnte vor unnötigen Eingriffen und erinnerte daran, dass Patienten das Recht auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung haben.

Wido-Geschäftsführer Jürgen Klauber erläuterte, möglicherweise hätte die eine oder andere Mandelentzündung auch mit einer konservativen Methode wie einer Antibiotika-Therapie geheilt werden können. Die Unterschiede könnten unter anderem Hinweise auf regionale Über- oder Unterversorgung sein sowie auf einen fehlenden gemeinsamen Maßstab für Eingriffe. Sie zeigten jedenfalls die Notwendigkeit bundesweit einheitlicher Richtlinien. Diese gebe es für Mandel-OPs. Für Blinddarm-Behandlungen fehlten sie noch. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, kritisierte den Report. Die regionalen Unterschiede hätten vielfältige Gründe und seien kein Beweis für Über- oder Unterversorgung.

Dem Versorgungsreport zufolge sank die Zahl der Mandeloperationen bei Kindern und jungen Erwachsenen bis 24 Jahren von 2005 bis 2014 um 19,3 Prozent auf rund 108 000 Eingriffe. 2012 habe sich eine Rate von 37 operierten Patienten je 10 000 Einwohnern bis 24 Jahre ergeben. In der Region Ingolstadt belaufe sich die Rate auf rund 17 je 10 000 Einwohner, in der Region Magdeburg auf rund 66, so das Wido. Die Zahl der Blinddarm-Entfernungen bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren sank zwischen 2005 und 2014 um 25,6 Prozent. Für 2012 ergebe sich eine Operationsrate von 27,1 je 10 000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Dabei belaufe sich die Rate im Osten Schleswig-Holsteins auf 13 und in Ingolstadt auf 52.
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