Arbeitsgemeinschaft warnt vor "Verteilungskämpfen"
Wohnungsnot wächst

In Deutschland explodiert die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Neben einer drastisch gestiegenen Zahl an Wohnungslosen wollen auch Hartz-IV-Empfänger, Studenten, Flüchtlingsfamilien und andere mit wenig Geld in eigene vier Wände ziehen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) sieht die Zahl der Menschen ohne Wohnung auf einem neuen Höchststand. "Verteilungskämpfe" um die raren Wohnungen seien nicht auszuschließen, sagte der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft, Thomas Specht, am Montag in Berlin.

2014 wurden rund 335 000 Wohnungslose gezählt, ein Anstieg um 18 Prozent seit 2012. Die Schätzungen beruhen auf regelmäßigen Umfragen der BAGW in den Kommunen, bundesweite Statistiken gibt es nicht. Bis 2018 müsse mit einem weiteren Zuwachs um 200 000 Wohnungslose auf dann rund 536 000 gerechnet werden. Grund seien der weiter schrumpfende Bestand an Sozialwohnungen - seit 2002 ein Minus von einer Million - und zu wenige bezahlbare Ein- bis Dreizimmerwohnungen. Derzeit fehlten mindestens 2,7 Millionen Kleinwohnungen. Specht fordert deshalb, Bundes- und Landesmittel für den sozialen Wohnungsbau müssten für die kommenden Jahre drastisch erhöht werden. Seit der Föderalismusreform von 2006 ist die Wohnungspolitik Ländersache. Dies sei eine Fehlentscheidung gewesen, sagte der BAGW-Vorsitzende Winfried Uhrig. Nötig sei der Bau von 400 000 Wohnungen im Jahr, davon mindestens 150 000 preiswerte Wohnungen und Sozialwohnungen. Bei einer erwarteten Einwanderung von 2,2 Millionen Menschen bis Ende 2018 sieht die BAGW die Nachfrage aus diesem Segment bei etwa 500 000 Wohnungen.

"Notfalls beschlagnahmen"

Die Menschen, die tatsächlich als Obdachlose auf der Straße leben, stieg zwischen 2012 und 2014 laut Wohnungslosenhilfe um 50 Prozent auf etwa 39 000. Mit Blick auf die kältere Jahreszeit empfahl Specht den Kommunen, notfalls mit der Beschlagnahme von Gewerbeimmobilien und leerstehenden privaten Wohnungen Notübernachtungen zu ermöglichen. Wenn dies nicht ausreiche, müssten Zelte und Wohncontainer für Wohnungslose angeschafft werden, sagte Specht
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