Athen bleibt Rate an den IWF schuldig - Merkel will zunächst abwarten
Eiertanz in Griechenland

Sie sind ein stolzes Volk und haben harte, sehr harte Tage zu bewältigen.
Im griechischen Schuldendrama hat Regierungschef Alexis Tsipras erneut widersprüchliche Signale ausgesandt. Seine Landsleute rief er am Mittwoch auf, die Sparforderungen der Geldgeber beim umstrittenen Referendum am Sonntag abzulehnen. Das solle den Druck bei neuen Verhandlungen erhöhen. Den Euro-Partnern hatte Tspiras zuvor geschrieben, er sei grundsätzlich bereit, ihre wichtigsten Bedingungen zu erfüllen. Dazu hatte gehört, doch noch für ein "Ja" beim Referendum einzutreten. Das bisherige Hilfspaket für Athen ist ausgelaufen und noch offene Milliardenhilfen damit verfallen. Die am Dienstagabend fällige Rate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zahlte die Regierung nicht mehr.

120 Euro für Rentner

Griechische Rentner, die kein Geld aus Bankautomaten ziehen können, bekamen in den Filialen maximal 120 Euro Rente ausgezahlt. Dieser Betrag sollte für eine Woche reichen. Zugleich verkündete Tsipras in seiner Fernsehansprache am Mittwoch: "Die Renten und Gehälter sind sicher." Allerdings hat die griechische Regierung auch bei der eigenen Zentralbank fällige Schulden nicht zurückgezahlt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Notenbankkreisen, die damit einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt" bestätigten. Demnach wurde ein fälliger Kredit im Umfang von 470 Millionen Euro nicht beglichen. Es handele sich um Altlasten aus der Zeit vor der Einführung des Euro. Bei dem Referendum am Sonntag sollen die Griechen sagen, ob sie den Bedingungen der Gläubiger zustimmen oder sie ablehnen. Das Hilfspaket, zu dem diese Bedingungen gehören, ist aber überholt. "Wir sind in einer neuen Lage", sagte der Vizechef der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, in Brüssel. Es werde jetzt nicht mehr über die Verlängerung des alten Rettungsplans gesprochen, sondern über ein Zwei-Jahres-Programm des Euro-Rettungsschirms ESM. Daraus hatte Tsipras am Dienstag einen 29-Milliarden-Euro-Kredit gefordert.

Beratungen auf Eis

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, vor der Abstimmung der Griechen werde es keine Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm geben. Die Kanzlerin wandte sich im Bundestag auch an die griechische Bevölkerung: "Sie sind ein stolzes Volk und haben harte, sehr harte Tage zu bewältigen", sagte sie. Die Euro-Partner warten auch vor weiteren Beratungen den Ausgang des Referendums ab. Zwischen den Geldgeber-Institutionen und der griechischen Regierung soll ebenfalls nicht verhandelt werden. Der Europarat erklärte unterdessen, das geplante Referendum erfülle nicht die üblichen internationalen Standards.
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