Athen Fall für die Chefs

Alle wollen Griechenland im Euro halten - doch wie lange noch? Die Euro-Partner Athens werden ungeduldig. Kanzlerin Merkel spricht wieder vom Willen und vom Weg - wo der hinführt, bleibt unklar. Nächste Station: ein Krisengipfel der Euro-Länder am Montag.

EU-Gipfelchef Donald Tusk hat das Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder zu Griechenland für Montag (22.6.) einberufen. Die Zusammenkunft solle am Abend stattfinden, teilte der EU-Ministerrat am Donnerstag nach einer ergebnislosen Euro-Gruppen-Sitzung mit. "Es ist Zeit, dringend über die Lage in Griechenland auf höchster politischer Ebene zu sprechen", schrieb Tusk. Schon bei der Sitzung in Luxemburg hatte der irische Finanzminister Michael Noonan gesagt, dass die "Chefs" in der kommenden Woche in der Griechenland-Krise beraten werden. Das Krisentreffen wird nur wenige Tage vor dem regulären EU-Gipfel stattfinden, der für Donnerstag und Freitag geplant ist. Bei diesem Gipfel werden die "Chefs" aller 28 EU-Staaten zusammenkommen.

Im Kreis der Euro-Finanzminister gab es keine Vereinbarung zu Griechenland. Athen wurde aufgefordert, ernsthaft in Verhandlungen einzutreten, teilte der für den Euro verantwortliche EU-Vizekommissionschef Valdis Dombrovskis am Donnerstag nach den Beratungen über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Euro-Gruppe sei bereit, jederzeit zu neuen Beratungen zusammenzukommen. Bei dem Tauziehen geht es um ein griechisches Reformpaket, das Voraussetzung für die Auszahlung neuer Milliardenhilfen ist.

"Ich bin unverändert davon überzeugt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in einer Regierungserklärung im Bundestag. "Die Bemühungen Deutschlands sind darauf gerichtet, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt", betonte die CDU-Vorsitzende. Eine Woche vor dem EU-Gipfel machte sie indirekt aber auch deutlich, dass Europa einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone verkraften würde.

IWF: "Keine Gnadenfrist"

Griechenland muss seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) pünktlich zum Monatsende begleichen. "Die Zahlung von Griechenland ist am 30. Juni fällig. Es gibt keine Gnadenfrist von einem oder zwei Monaten", sagte die IWF-Chefin Christine Lagarde. "Wenn das am 1. Juli nicht bezahlt ist, ist es nicht bezahlt." Griechenland muss gebündelte Juni-Raten von insgesamt nahezu 1,6 Milliarden Euro am Monatsende an den IWF zurückzahlen. Viele trauen dem Krisenland nicht mehr zu, diesen Betrag aus eigener Kraft zu stemmen. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis deutete Kompromissbereitschaft an. "Der Zweck ist, teure Zwietracht durch erfolgreiche Übereinstimmung zu ersetzen." (Seite 17)
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