Attentäter von Brüssel identifiziert
Alle drei waren polizeibekannt

Brüssel/Berlin. Nach den Terroranschlägen in Brüssel mit mindestens 31 Toten sind die drei Selbstmordattentäter identifiziert. Alle sind in Belgien geboren und hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris. Es handelt sich um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui und Medienberichten zufolge um den 24-jährigen Najim Laachraoui. Noch gefahndet wird nach einem Komplizen, der vom Flughafen geflüchtet sein soll.

Laut Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw waren die Brüder El Bakraoui belgische Staatsbürger und wegen verschiedener nicht terroristischer Taten polizeibekannt. Der Ältere, Ibrahim, sprengte sich auf dem Flughafen Brüssel in die Luft, nach Berichten belgischer Medien ebenso wie Laachraoui, der im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesucht wurde. Der jüngere Bruder, Khalid, zündete seine Bombe in der Metro-Station Maelbeek.

Mehrere Deutsche verletzt


Verletzt wurden nach jüngsten Angaben 300 Menschen, darunter auch mehrere Deutsche und rund ein Dutzend US-Bürger. Es ist zu befürchten, dass sich die Zahl von 31 Toten noch erhöht. Die höchste Terror-Warnstufe blieb in Kraft. Der Flughafen Zaventem bleibt bis einschließlich Freitag weitgehend geschlossen.

Auf dem Foto einer Überwachungskamera im Flughafen wurde einer von drei abgebildeten Männern von der Staatsanwaltschaft als Ibrahim El Bakraoui identifiziert. Einer der beiden anderen dürfte Laachraoui sein. Dies wurde von den belgischen Behörden aber zunächst nicht bestätigt. Der Dritte aber entkam und ist bislang unbekannt.

Erdogan: Haben gewarnt


Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte in Ankara, einer der Brüsseler Angreifer sei im Juni festgenommen und ausgewiesen worden. Die belgischen Behörden seien am 14. Juli informiert worden. Laut Medienberichten handelte es sich um Ibrahim El Bakraoui, der aber von den belgischen Behörden freigelassen wurde. Der belgische Justizminister Koen Geens wies den Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück. El Bakraoui habe in Belgien keine terroristischen Straftaten begangen, sagte er dem Sender VRT. Seines Wissens sei El Bakraoui auch nicht nach Belgien, sondern in die Niederlande abgeschoben worden.

Nach dem Hinweis eines Taxifahrers wurde im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek ein Laptop mit Bakraouis Testament gefunden. In einer nahen Wohnung entdeckten Ermittler 15 Kilogramm Sprengstoff und anderes Material zum Bau von Bomben. Dort fand sich auch eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die sich noch am Dienstag zu den Anschlägen bekannt hat.

In Belgien gilt noch bis Karfreitag eine dreitägige Staatstrauer. Am Donnerstag ist eine landesweite Schweigeminute geplant. Aus Solidarität wurden Wahrzeichen vieler anderer Metropolen in den Nationalfarben Belgiens angeleuchtet. Dazu gehörten auch das Brandenburger Tor in Berlin und der Eiffelturm in Paris.

Länderspiel soll stattfinden


In ganz Europa herrscht seit den Anschlägen Terrorangst. Vielerorts wurden Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die US-Regierung warnte ihre Bürger vor Gefahren bei Reisen nach Europa. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geht davon aus, dass das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen England am Samstag in Berlin stattfinden kann.

Nach dem Terror von Brüssel wollen die für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister an diesem Donnerstag zu einem Sondertreffen zusammenkommen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wies darauf hin, dass konkrete Vorschläge für mehr Sicherheit in Europa seit Monaten auf dem Tisch liegen.

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