Aufbruch zum Durchbruch beim Klimaschutz
Mahnende Worte aus Hollywood

Fast wie eine Filmszene, und doch real: Hollywoodschauspieler Leonardo DiCaprio spricht im UN-Hauptquartier zu den Delegierten, im Hintergrund Generalsekretär Ban Ki Moon. Bild: dpa

Filmstar Leonardo DiCaprio, US-Präsident Barack Obama, UN-Chef Ban Ki Moon - mit diesen Stars soll der Aufbruch zum Klimaschutz beim UN-Gipfel gelingen. Die deutschen Umweltschützer sind enttäuscht, denn aus Berlin war kein Star gekommen - auch nicht die Kanzlerin.

"Ich bin nur ein besorgter Bürger", sagt der bärtige Mann am Dienstag vor den mehr als 100 Staats- und Regierungschefs im großen Saal der Vereinten Nationen. Ein Durchschnittsbürger ist der 39-Jährige nicht: Hollywoodstar Leonardo DiCaprio redet den Politikern auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen ins Gewissen. In New York soll der Aufbruch zum Durchbruch beginnen, um in gut einem Jahr in Paris konkrete Ziele für eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu vereinbaren. Doch vorerst geht es um ganz andere, viel höhere Zahlen.

"Wir haben uns noch nie solch einer Herausforderung gegenübergesehen", sagt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. "Der Klimawandel bedroht den so hart errungenen Frieden, unseren Wohlstand und die Chancen für Milliarden Menschen. Er ist die prägende Aufgabe unserer Zeit." Und auch Klimaratschef Rajendra Pachauri mahnt: "Unsere Zeit zum Handeln läuft aus." Ansonsten drohten Wasser- und Nahrungsmangel - nicht nur in den ärmsten Ländern.

New York soll ein bisschen Kopenhagen gutmachen. Auf der UN-Klimakonferenz 2009 hatte es trotz gewaltigen Aufwands nur eine Minimaleinigung gegeben, die noch dazu für niemanden bindend war. Aber es wurde immerhin die Gründung des Green Climate Fund vereinbart. Der UN-Klimafonds will von 2020 an jedes Jahr 100 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) an staatlichen und privaten Geldern mobilisieren, um damit Klimaprojekte in Entwicklungsländern zu finanzieren. Aber: Mit dieser Summe rechnen selbst die Optimisten nicht mehr - sogar die Erwartungen der Pessimisten wurden enttäuscht. Bisher waren gerade einmal etwas mehr als 50 Millionen Dollar im Topf. Für das ursprüngliche Ziel müsste es 2000 Mal so viel sein.

Dann kündigte Deutschland eine Milliarde Dollar an, und am Dienstag zog Frankreichs Präsident François Hollande mit der gleichen Summe nach. Mit großer Spannung wurde US-Präsident Barack Obama erwartet. "Von den USA als der größten der traditionellen Industrienationen erwarten wir schon mindestens zwei oder drei Milliarden Dollar. Angemessen wären aber eher fünf Milliarden", sagt Martin Kaiser von Greenpeace. "Was Europa gibt, gerade auch Deutschland, ist ein wichtiges Signal. Aber das kann nicht alles sein."

Kanzlerin schickt Vertreter

Die deutsche Milliarde sorgte in New York kaum für Aufsehen, weil die Überbringerin fehlt. Angela Merkel, die Bundeskanzlerin des Landes, das in den UN-Sicherheitsrat möchte, blieb der Konferenz fern. Stattdessen waren Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) da. Letztere will ihr Klimaschutzpaket noch vor der UN-Konferenz in Lima im Dezember vorlegen. Bis 2020 wolle Deutschland seine Emissionen - gemessen an 1990 - um 40 Prozent senken, erläuterte sie. Die Bundesregierung könnte das Ziel aber verfehlen, weil durch die Energiewende wieder deutlich mehr CO2 ausgestoßen wird. Deshalb will Hendricks zusätzliche Maßnahmen ergreifen.

Verliert Deutschland seine Rolle als Musterschüler in Umweltfragen? "Eine ehrliche Klimapolitik war bislang so eine Art Markenzeichen dieses modernen, reichen Landes, das betont nicht mit seinen Streitkräften Politik machen wollte. Man hat den Deutschen geglaubt, dass sie es ernst meinen", sagt ein westeuropäischer UN-Diplomat. "Wenn man wahrgenommen werden will, sollte man seine Markenzeichnen nicht aufs Spiel setzen."

Die Stimme der Straße

"New York darf nicht scheitern", heißt es auf den Fluren der UN - das hatte man in Kopenhagen vor fünf Jahren allerdings auch gesagt. Umweltorganisationen machen Druck, damit mehr Staaten sich von einer egoistischen Politik lösen. Am Sonntag gingen Hunderttausende auf der ganzen Welt auf die Straße, um für den Schutz des Klimas zu demonstrieren. 300 000 sollen es allein in New York gewesen sein. Einer von ihnen war DiCaprio.

"Dieses Gremium muss vielleicht mehr als irgendein anderes jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit diese schwierige, aber machbare Aufgabe angehen", sagte er im UN-Plenum. "Sie können Geschichte schreiben oder von der Geschichte verteufelt werden. Mein Job ist es, Dinge vorzuspielen. Ihrer nicht."
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