Aufruf zum Frieden

Papst Franziskus und der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. verlassen nach der Messfeier zu Ehren des Apostels Andreas gemeinsam das Gotteshaus. Andreas war der jüngere Bruder von Petrus. Bild: dpa

Papst Franziskus und der orthodoxe Patriarch betonen in Istanbul ihren Willen zur Einheit - auch im Kampf gegen Krisen und Konflikte in der Welt. Sie versprechen, gemeinsam gegen Probleme vorzugehen.

(KNA/epd) Mit einem Solidaritätsappell für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak hat Papst Franziskus seine dreitägige Türkei-Reise beendet. Die "erniedrigenden Lebensbedingungen" vieler Flüchtlinge seien "untragbar", sagte er bei einer Begegnung mit jugendlichen Migranten in Istanbul. Erneut dankte Franziskus der Türkei für die Aufnahme so vieler Flüchtlinge, die den Kämpfen in den Nachbarländern entkommen sind.

Zuvor hatte der Papst zusammen mit Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel die Muslime weltweit zum gemeinsamen Kampf gegen Gewalt im Namen des Glaubens aufgerufen. "Wir dürfen uns nicht mit einem Nahen Osten abfinden, in dem keine Christen mehr leben, die dort seit 2000 Jahren den Namen Jesu bezeugt haben", heißt es in der Erklärung, die die beiden Oberhäupter von 1,5 Milliarden Christen in Istanbul unterzeichneten.

Sorge um Ostukraine

Zugleich beklagten sie Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt und Massenvertreibung von Christen aus dem Irak und Syrien. Franziskus und Bartholomaios I. mahnten auch einen Dialog der Konfliktparteien in der Ukraine und die "Respektierung des Völkerrechts" dort an; ohne diese könne die Auseinandersetzung nicht beendet werden.

Zuvor hatten die Kirchenoberhäupter das Andreas-Fest gefeiert. Dabei bekräftigten sie ihren Willen, den Weg zur Gemeinschaft ihrer Kirchen nach fast 1000 Jahren Spaltung weiterzugehen. Franziskus hob hervor, volle Kirchengemeinschaft bedeute nicht, einander zu unterwerfen oder sich den anderen einverleiben zu wollen. Die katholische Kirche stelle keine Forderung als die, den gemeinsamen Glauben zu bekennen.

Der Besuch beim Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirchen weltweit war der Anlass der sechsten Auslandsreise des Papstes gewesen. Am Samstag besichtigte Franziskus die Hagia Sophia, die frühere Hauptkirche des byzantinischen Reiches. Zudem besuchte er erstmals als Papst eine Moschee. Er verbrachte mit dem Mufti von Istanbul, Rahmi Yaran, einen Moment im stillen Gebet in der Sultan-Ahmet-Moschee.

"Das Bedürfnis zu beten"

Franziskus wies den Mufti auf die Gottesverehrung als wichtiges gemeinsames Element für Christen und Muslime hin. Er sei von der Schönheit der Moschee und den Erklärungen des Großmuftis beeindruckt gewesen, sagte Franziskus am Sonntag. "In diesem Moment habe ich das Bedürfnis verspürt zu beten." Weiter sagte er: "Ich habe für die Türkei gebetet für den Frieden, den Mufti, für alle und für mich". Vor allem habe er jedoch für Frieden gebetet.
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