"Aufstand der Anständigen"

Die Attentate von Frankreich haben auch Deutschland erschüttert. SPD-Chef Gabriel ruft jetzt zu einer großen Kundgebung in Berlin auf - auch um Pegida und AfD die Stirn zu bieten.

Mit einem neuen "Aufstand der Anständigen" wollen Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Verbände auf den Terroranschlag von Paris reagieren. "Der perfide Plan von Terroristen, einen Keil in unsere Gesellschaft zu treiben, darf nicht aufgehen", schrieb SPD-Chef Sigmar Gabriel in einem Aufruf, mit dem er den Koalitionspartner Union aber überrumpelte.

So erklärte CSU-Chef Horst Seehofer in Wildbad Kreuth, er habe noch in der Nacht zu Freitag mit CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel über Gabriels Vorstoß gesprochen, der rasch den Weg in die "Bild"-Zeitung gefunden hatte. Die CSU werde erst am Montag bekanntgeben, ob sie bei der Großkundgebung mitmacht, sagte Seehofer.

Die CDU ist schon einen Schritt weiter. Wie es in Parteikreisen hieß, sind die Christdemokraten bereit für eine Teilnahme an einer Solidaritätskundgebung in der Art, wie sie Gabriel vorgeschlagen habe. Grüne und Linke kündigten ihre Unterstützung an. Aber auch dort gab es Unmut: Gabriel habe sich mit einem Alleingang profilieren wollen, hieß es.

Mit der Kundgebung soll auch ein Zeichen gegen die Anti-Islam-Bewegung Pegida und die rechtskonservative AfD gesetzt werden. Beiden wird unterstellt, aus der Ermordung der Journalisten des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" offenbar durch Islamisten Kapital schlagen zu wollen. Gabriel verurteilte den Versuch, "diese grausamen Taten nun als Bestätigung von Ressentiments etwa gegenüber Flüchtlingen oder gegenüber dem Islam zu missbrauchen". Wann und in welcher Form die geplante Demo für Demokratie und Toleranz in Berlin stattfinden soll, ist noch offen.

Rüffel für Kirchen

Das AfD-Vorstandsmitglied Konrad Adam kritisierte unterdessen Kirchen und Gewerkschaften wegen ihres Engagements gegen Pegida. Sie wären "gut beraten, nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen", sagte Adam im Interview mit dem Magazin "Focus". Diese Institutionen müssten sich fragen, ob und was sie selbst zum Auseinanderfallen der Gesellschaft beigetragen haben könnten. Als Protestant sehe er mit Sorge, dass den Kirchen die Mitglieder wegliefen, genauso wie den Alt-Parteien, erklärte der AfD-Politiker.

Nach Ansicht von Adam werden die meisten Pegida-Demonstranten missverstanden. "Kritik an ungeordneter Zuwanderung und am hinterwäldlerischen Islam sind zwei Motive unter vielen", sagte der frühere Journalist. Die Anhänger von Pegida gingen auf die Straße, weil sie eine berechtigte Angst hätten, dass die Gesellschaft auseinanderfällt. Unions-Fraktionschef Volker Kauder warf den Organisatoren der Pegida-Kundgebungen "unsägliche Stimmungsmache" vor. "Die Wortführer der Demonstrationen sind Zukunftsverweigerer", sagte der christdemokratische Politiker dem "Focus".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.