Auftakt zu 500 Jahre Reformation
Schweden empfängt den Papst

Vor rund einem Jahr besuchte Papst Franziskus in Rom die Christuskirche. Zum Auftakt des 500. Jubiläumsjahres der Reformation reist Franziskus nun am Montag nach Schweden. Archivbild: dpa

Mit Kirche haben immer weniger Schweden etwas am Hut. Dem Besuch von Papst Franziskus am Reformationstag fiebern trotzdem viele entgegen. Dass er ausgerechnet nach Lund kommt, hat einen besonderen Grund.

Lund. Kinderwagen ruckeln gemächlich übers Kopfsteinpflaster, Studenten sitzen vor der Domkirche in der Herbstsonne: Das südschwedische Lund ist eine besonnene Stadt, in der sich die Menschen nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen. Noch nicht einmal davon, dass sich der Papst angekündigt hat. Am Montag, 31. Oktober, will Franziskus in der Universitätsstadt das Luther-Jahr mit einem ökumenischen Gottesdienst einläuten. Hier werden 2017 nicht nur 500 Jahre Reformation gefeiert. In Lund, einer der ältesten Städte Schwedens, entstand vor 70 Jahren auch der Lutherische Weltbund.

Die Kirchengemeinschaft ist einer der Gründe, weshalb der Papst zum Start der Feiern in die 110 000-Einwohner-Stadt reist. Ein anderer sei, dass hier, im aus Sandstein gebauten Dom, Menschen mit unterschiedlichen Traditionen seit dem Jahr 1100 ihren Glauben gelebt hätten, erzählt Domkaplanin Lena Sjöstrand. "Wir haben auf katholische Weise gebetet und auf lutherische."

Einst wichtiges Zentrum


Im Mittelalter war Lund ein wichtiges Kirchenzentrum. "Die ganze Stadt muss damals vom Christentum erfüllt gewesen sein", sagt die Deutsche Monika Lennartsson, die mit einem Schweden verheiratet ist und seit acht Jahren in Lund lebt. "Der Glockenklang war allgegenwärtig." Damals habe es hier 27 Kirchen gegeben, sagt Lennartsson, die Touristen durch die Stadt und die Kathedrale führt. Nach der Reformation blieben nur noch zwei übrig - eine davon ist der Dom. "Er steht im Mittelpunkt der Stadt", sagt Sjöstrand. Sie meint das nicht nur räumlich. In dem Gebäude lauschten Studenten im 17. Jahrhundert den ersten Vorlesungen. Heute lädt Sjöstrand Künstler ein, im Dom auszustellen, und Musiker, hier Konzerte zu geben. "Die Kirche ist jeden Tag offen", erzählt sie, und deutet auf die breite Haupttür.

Während Anfang der 1970er Jahre noch fast jeder Schwede der Schwedischen Kirche angehörte, sind es jetzt weniger als zwei Drittel der Bevölkerung. "Ich sehne mich nicht nach einer bekennenden Kirche", sagt Sjöstrand. "Ich finde es gut, dass wir eine offene Kirche sind." Bei der liturgischen Feier am Reformationstag soll Musik aus Lateinamerika und Afrika erklingen.

"Es wird ziemlich voll"


Seit dem Frühjahr bereitet sich die Kirche auf den Papstbesuch vor. Ein paar mehr Stühle werde man wohl aufstellen müssen, sagt Sjöstrand. 600 Besucher kommen in den Dom. "Es wird ziemlich voll." Schwedische Fernsehteams haben bereits damit begonnen, ihre Kameras aufzubauen. So große Prominenz ist die Stadt trotz allem nicht gewohnt. Der Schauspieler Max von Sydow ist hier geboren, ESC-Gewinner Måns Zelmerlöw kommt aus Lund. Einen Papst hatte die Stadt aber noch nie zu Besuch. Als letztes Oberhaupt der katholischen Kirche, die in Schweden rund 113 000 Mitglieder zählt, war Johannes Paul II. 1989 in dem skandinavischen Land zu Gast - damals in Stockholm.

Nach der Feier im Dom macht sich der Papst auf nach Malmö. Unter dem Motto "Together in Hope" kommen bis zu 10 000 Menschen in der Malmö-Arena zu Chorkonzerten, Filmen und Lesungen zusammen. Noch mehr Menschen werden am 1. November, an Allerheiligen, im Fußballstadion der Stadt erwartet, wo Franziskus vor seiner Abreise mit bis zu 18 000 Gläubigen eine Messe feiert.
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