Auftakt zum 500. Jubiläumsjahr der Reformation
Sanfter Papst in Luther-Hochburg

Als Wegbereiter der Annäherung von Katholiken und Protestanten zeichnete Heinrich Bedford-Strohm (links) den langjährigen Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz, den Mainzer Kardinal Karl Lehmann, mit der Luther-Medaille aus. Bild: dpa/Jens Schlueter
 
Papst Franziskus (Mitte) fordert bei der gegenseitigen Annäherung von Katholiken und Protestanten eine "Revolution der Sanftmut": Zusammen mit Bischof Munib Younan (links), dem Präsidenten des lutherischen Weltbundes (LWF), und Pfarrer Martin Junge, Generalsekretär des LWF, beim ökumenischen Gottesdienst im Fußballstadion von Malmö. Bild: dpa

Ein historisches Papstgebet mit Protestanten in Schweden, ein Gottesdienst im Geist der Ökumene in Berlin: Der Auftakt zum 500. Jubiläumsjahr der Reformation macht Hoffnungen auf ein neues Miteinander von katholischen und evangelischen Christen.

Malmö/Berlin. So viele katholische Geistliche auf einmal sieht man selten in Schweden - vom Papst ganz zu schweigen. Ein Pontifex kam das letzte Mal vor mehr als 25 Jahren in das Land, in dem Katholiken eine Minderheit sind. Und nun ausgerechnet zu einem Jubiläum, das aus katholischer Sicht eigentlich kein Grund zum Feiern ist. Doch Papst Franziskus gedenkt gemeinsam mit lutherischen Geistlichen der Reformation. Das gab es noch nie.

Geste der Annäherung


Zusammen mit führenden Vertretern der Protestanten bekräftigte der Papst zu Beginn des Gedenkjahres zum 500. Reformationsjubiläum den Willen zur Annäherung von katholischen und evangelischen Christen. Zum Abschluss seiner Reise nach Schweden appellierte er am Dienstag in einer Messe an die Christen, für ihre Einheit zu arbeiten.

Wenn sie einander mit Sanftmut begegneten, werde es möglich, "dass wir alles, was uns trennt und entzweit, beiseite lassen und immer neue Möglichkeiten suchen, um auf dem Weg der Einheit voranzukommen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor Tausenden im Fußballstadion in Malmö.

Am Montag hatte der Argentinier in einer starken Geste seine Forderung nach weiterer Annäherung von Katholiken und Protestanten untermauert. Zum Auftakt des 500. Jubiläumsjahres der Reformation 2017 feierte er erstmals mit Vertretern des Lutherischen Weltbundes einen Gottesdienst im südschwedischen Lund.

"Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurde", sagte Franziskus. In einer gemeinsamen Erklärung würdigten er und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Munib Younan, die ökumenischen Bestrebungen. "Während die Vergangenheit nicht verändert werden kann, kann das, woran man sich erinnert und wie man sich erinnert, verwandelt werden", hieß es darin.

Franziskus und Younan gingen auch auf einen Knackpunkt im beiderseitigen Verhältnis ein: das gemeinsame Abendmahl. Viele Gläubige sehnten sich danach, "die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit". Änderungen an dem derzeitigen Ausschluss vom Abendmahl der jeweils anderen Konfession wurden allerdings nicht formuliert.

Auch in Deutschland, dem Geburtsland der Reformation, wurde die Sehnsucht nach einer weiteren Annäherung der Christen laut. Von den Feiern solle ein Signal des Aufbruchs und der Versöhnung ausgehen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in der Berliner Marienkirche. Erstmals werde der Reformationstag in ökumenischer Gemeinschaft begangen. Bundespräsident Joachim Gauck nannte die Reformation einen Grundstein für das Gemeinwesen in Deutschland.

Thesenanschlag von 1517


Bis zum 31. Oktober 2017 erinnert die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit Hunderten von Veranstaltungen an den Thesenanschlag Martin Luthers 1517 in Wittenberg. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Reformation, die zur Abspaltung der evangelischen von der katholischen Kirche führte. Auch in der Lutherstadt Wittenberg feierten am Montag Tausende das Reformationsfest.

Ohne die "Initialzündung" der Reformation gäbe es weder die Freiheit des Glaubens und des Gewissens noch die unveräußerlichen Grundrechte, sagte Gauck bei dem Festakt im Berliner Konzerthaus. Weil Luther es jedem Einzelnen freigestellt habe, ob er sich an das Evangelium bindet, sei "ein frischer Wind der Freiheit" in die Welt gekommen.

Bedford-Strohm bekräftigte den Stellenwert des Jubiläums für die Ökumene. "Heute sehnen sich evangelische und katholische Christen nach der Gemeinschaft", sagte er. Er sprach von "ökumenischer Zuversicht". Zu dem Gottesdienst waren auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchener Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx, und der griechisch-orthodoxe Metropolit für Deutschland, Augoustinos Lambardakis, eingeladen. Als Wegbereiter für eine Annäherung zeichnete Bedford-Strohm den langjährigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, den Mainzer Kardinal Karl Lehmann, mit der Luther-Medaille der EKD aus.

Die EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann, sagte, die Jubiläumsfeiern wollten Luthers Figur auch kritisch beleuchten. Am Kirchenreformator sehe sie Seiten, die sie "unendlich bewundere" - seine Bibelübersetzung oder seine Verdienste um die deutsche Sprache, sagte die im rbb-Inforadio. Gleichzeitig kritisiere sie scharf Luthers antisemitische Haltung oder sein Verhalten gegenüber Frauen.

Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wieder gutzumachen.Papst Franziskus
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