Aus für die South-Stream-Leitung: Rohstoff-Macht Russland orientiert sich anders
Neue Pläne in der Pipeline

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Aus und vorbei: Unerwartet auch für deutsche Partner wie Wintershall kündigt der russische Gasmonopolist Gazprom Europas größtes Energieprojekt South Stream auf. Schuld habe die EU, meint Kremlchef Wladimir Putin. Die politische Blockade der EU mache den Weiterbau unmöglich.

Was bedeutet der Wegfall der Pipeline für die Energiesicherheit?

Wie die Ostseeleitung Nord Stream sollte die südliche Leitung South Stream - für den Süden und zentrale Teile EU-Europas - die Gasversorgung des Westens bei wachsendem Energiehunger zuverlässiger machen. Russland wollte so unabhängiger werden von der Ukraine, die das wichtigste Transitland in Richtung EU ist. Doch auch die EU sollte eine Alternative zum sanierungsbedürftigen ukrainischen Transitnetz haben.

Woher bekommt die Europäische Union jetzt zusätzliches Gas?

Das Gas fließt weiter über bestehende Leitungen von Russland nach Europa. Putin hatte bereits im Sommer angekündigt, andere Routen für eine Leitung zu prüfen, sollte die EU South Stream torpedieren. Deshalb kommt jetzt die Türkei ins Spiel. Das meiste Gas soll an der türkisch-griechischen Grenze landen und von dort aus weiter in die EU fließen. Als Alternative für die EU gilt Flüssiggas aus anderen Ländern, das teurer ist.

Wer ist jetzt besonders vom Aus für South Stream betroffen?

Die Investoren hoffen, dass sie ihre Ausgaben ersetzt bekommen. Bulgarien muss Russland zufolge jährlich auf 400 Millionen US-Dollar verzichten, die es durch den Gastransit eingenommen hätte. Serbien und die Staaten des Westbalkans sowie Italien hängen weiter vom maroden ukrainischen Transportsystem ab. Die Slowakei, Österreich und Ungarn können nach Darstellung Gazproms zum Teil durch die Ostsee über Nord Stream versorgt werden.

Es gab einmal Pläne in der EU für die Pipeline Nabucco unter Umgehung Russlands - wird das jetzt wieder aktuell?

South Stream hatte sich als Konkurrenzprojekt gegen Nabucco durchgesetzt, weil Partner - in Deutschland, Frankreich und Italien - dahinter standen. Bei dem EU-Projekt Nabucco hingegen war bis zuletzt unklar, woher die großen Gasmengen zum Befüllen der Leitung kommen sollen. Gleichwohl soll von 2019 an Gas von der autoritär geführten Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan am Kaspischen Meer über die Trans-Adria-Pipeline (TAP), eine kleinere Variante von Nabucco, nach Westen strömen.

Ist der Abschied von South Stream eine Kurzschlusshandlung Putins?

Gazprom geht mit dem Bau der Pipelines ein großes wirtschaftliches Risiko ein. Allein die mehr als 2000 Kilometer lange South Stream hätte 16 Milliarden Euro gekostet. Der Konzern verzeichnet aber auch wegen des Gasstreits mit der Ukraine, die mit Milliardenschulden bei Gazprom in der Kreide steht, Rückgänge bei den Einnahmen. Der ökonomische Nutzen von South Stream für die Rohstoff-Macht stand von Anfang an infrage. Russland hatte damit vor allem geopolitisch seine Stellung als Energie-Macht stärken wollen.
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