Auschwitz-Befreiung vor 70 Jahren: Bundeskanzlerin Merkel betont die "immerwährende ...
"Es gab nur die Demütigung und die Schande"

Bei der Auftaktveranstaltung in Berlin nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel im Auditorium zwischen den Auschwitz-Überlebenden Eva Fahidi (rechts) und Marian Turski Platz. Bild: dpa
Mit bewegenden Zeugnissen von Holocaust-Überlebenden hat das Internationale Auschwitz-Komitee am Montag in Berlin der Opfer des Konzentrationslagers gedacht. Zur zentralen Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung durch sowjetische Soldaten am 27. Januar 1945 bezeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Verbrechen von Auschwitz als "grausame Zäsur" in der Geschichte der Menschheit und "Zivilisationsbruch". Derartige Verbrechen "verjähren nicht".

"Schatz an Erfahrungen"

Weiter betonte die Kanzlerin: "Wir haben die immerwährende Verantwortung, das Gedenken weiterzugeben und die Erinnerung wachzuhalten." Im Mittelpunkt standen die Berichte der Überlebenden des Holocaust. Dabei ermutigte der polnische Journalist und Historiker Marian Turski die Jugend, den "Staffelstab" der Erinnerung aufzugreifen und den "Schatz an Erfahrungen" aufzunehmen und weiterzugeben. Er machte auch deutlich, was dies konkret für ihn bedeutet: Wenn jemand heute etwa einen Bosnier, einen Türken, einen Israeli, einen Palästinenser, einen Christen oder einen Muslim demütige, dann sei es so, "als beginne Auschwitz von neuem".

Die ungarische Holocaust-Überlebende und Schriftstellerin Eva Fahidi berichtete in erschütternden Worten von ihrer Deportation in einem Viehwaggon und dem Leid im KZ Auschwitz-Birkenau. Die Nazis ermordeten dort 49 Mitglieder ihrer Großfamilie, darunter ihre elfjährige Schwester und ihre 39-jährige Mutter in der Gaskammer. Fahidi erzählte von dem unablässigen Hass, der allgegenwärtigen Angst, dem Schlaf auf nackten Boden, der Zwangsarbeit und dem Leichengeruch. "Es gab nur die Demütigung und die Schande." Fahidi sagte weiter: "Heute hassen wir niemanden mehr. Wir wissen, wie der Hass die menschliche Seele zerstört." Dennoch heile die Zeit die Wunden nicht, und im Herzen dominiere selbst nach 70 Jahren der Schmerz. Es sei ihre Verantwortung und Pflicht, an die Opfer zu erinnern.

Den Opfern, die nie ein Grab erhalten hätten, rief sie zu: "Heute, nach 70 Jahren, wendet sich die ganze Welt mit Scham und Mitleid an euch - ruhet behütet in Frieden bis in Ewigkeit."

Merkel erinnerte zu Beginn ihrer Rede an Opfergruppen der Nazi-Barbarei: Juden, Sinti und Roma, Widerständler, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, Zwangsarbeiter und alle Menschen, "die von Deutschen verfolgt, gequält, misshandelt, vertrieben und ermordet wurden". Sie trauere mit allen Opfern. "Was geschehen ist, erfüllt uns Deutsche mit großer Scham", betonte Merkel.

Auch heute Übergriffe

Sie beklagte erneute Übergriffe und Anfeindungen gegenüber Juden in Deutschland. Dies sei "eine Schande". Ebenso laste es "wie ein Makel auf unserem Land", dass Synagoge und jüdische Einrichtungen unter Polizeischutz stehen müssten. Jeder Mensch müsse "unabhängig von Religion oder Herkunft" in Deutschland frei und sicher leben können. "Wir wollen keine hasserfüllten Parolen gegen Juden oder Menschen, die in Deutschland ein neues Zuhause oder Zuflucht vor Bürgerkrieg gefunden haben." Das Vorgehen gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit sei "bürgerschaftliche, gesellschaftliche und staatliche Pflicht".
Weitere Beiträge zu den Themen: Politik (7296)Berlin (7520)Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.