Auschwitz-Überlebende spendet Beifall für Aufnahme von Flüchtlingen
Dickes Lob für die Deutschen

Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger war Hauptrednerin bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus. Bild: dpa

Berlin. Die Schriftstellerin und Auschwitz-Überlebende Ruth Klüger hat im Bundestag eindringlich ihr Leid als Zwangsarbeiterin der Nationalsozialisten geschildert. Am 71. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau schilderte die 84-Jährige am Mittwoch, wie sie als Kind von dort in das Arbeitslager Christianstadt in der Niederlausitz deportiert wurde. Sie berichtete, wie sie als 12- und 13-Jährige Hunger, Kälte und Gewalt überlebte.

Den Winter 1944/45 schilderte Klüger als den kältesten Winter ihres Lebens. "Im Steinbruch war es zum Verrecken kalt." Klüger schilderte, wie sie Willkür und Niedertracht ausgesetzt war, wie ein SS-Mann ihr ins Gesicht schlug, weil sie auf der Suche nach etwas zu essen war, wie ihr Leben von reinen Zufällen abhing. Der Bundestag rückte in diesem Jahr die NS-Zwangsarbeit ins Zentrum des Gedenkens. Zwangsarbeit sei schlimmer als Sklavenarbeit - die Opfer seien für ihre Peiniger wertlos gewesen, so Klüger. "Sie hatten ja soviel 'Menschenmaterial'."

Die in den USA lebende Klüger nannte als Hauptgrund, die Einladung für die Rede im Bundestag anzunehmen, die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland. "Dieses Land, das vor 80 Jahren für die schlimmsten Verbrechen des Jahrhunderts verantwortlich war, hat heute den Beifall der Welt gewonnen dank seiner geöffneten Grenzen und der Großzügigkeit, mit der Sie syrische und andere Flüchtlinge aufgenommen haben und noch aufnehmen", sagte sie. Bundestagspräsident Norbert Lammert rief zu Wachsamkeit gegen Ausgrenzung auf. Diese Erwartung gelte "auch für diejenigen, die wann und warum auch immer in dieses Land gekommen sind".

Auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau gedachten mehr als 80 ehemalige Auschwitz-Häftlinge der Opfer. "Auschwitz ist und bleibt eine große Warnung, was geschehen kann, wenn internationales Recht gebrochen wird und die internationale Gemeinschaft nicht reagiert", sagte der polnische Präsident Andrzej Duda.

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen die letzten noch lebenden Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

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Interview und Video mit Ruth Klüger:

www.onetz.de/1191359
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