Banger Blick übers Mittelmeer

Am frühen Montagmorgen bringt die italienische Küstenwache Flüchtlinge in den Hafen Empedocle auf Sizilien. Die Männer, Frauen und Kinder wurde zuvor auf See gerettet. Bild: epa/italienische Küstenwache

Mehr als 2100 Flüchtlinge hat Italien im Mittelmeer an nur einem Tag gerettet, so viele wie selten zuvor. Vor allem die Skrupellosigkeit der Schleuser macht dem Land Sorgen - und die Situation in Libyen.

Einer nach dem anderen werden sie an Land gebracht. In Wärmedecken gehüllt, verängstigt, durchgefroren und erschöpft: Mehr als 2100 Flüchtlinge, die am Sonntag in einer mehrstündigen Aktion auf dem Mittelmeer von Einsatzkräften aus Malta und Italien in Sicherheit gebracht wurden. Und der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab: Auch am Montag kamen Hunderte Migranten auf der italienischen Insel Lampedusa an, nach Angaben der EU-Grenzschutzbehörde Frontex waren es seit Freitag insgesamt 3000. Und: 1000 seien noch auf See und müssten gerettet werden. "Wir riskieren eine nie dagewesene Fluchtwelle", warnte der italienische Innenminister Angelino Alfano in der Zeitung "La Repubblica".

Italien blickt vor allem mit Sorge auf Libyen, wo die meisten Boote ablegen. "Das Problem ist jetzt nicht (die EU-Grenzschutzmission) Triton oder (die Mittelmeer-Rettungsoperation) Mare Nostrum, sondern Libyen", sagte Alfano. "Wenn die Milizen des Kalifats (gemeint ist damit der Islamische Staat) schneller vorrücken als die Entscheidungen der internationalen Gemeinschaft fallen, wie können wir dann den Brand in Libyen löschen und die Migrantenströme eindämmen?" Libyen befindet sich seit Monaten in einem blutigen Bürgerkrieg. Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatten am Sonntag ein Video veröffentlicht, das die Tötung mehrerer ägyptischer Kopten in Libyen zeigen soll.

Ruf nach UN-Mission

Italien erklärte sich bereit, eine UN-Friedensmission in Libyen anzuführen, um die Lage in dem Land zu stabilisieren. "Das Risiko ist unmittelbar, wir können nicht warten", sagte Verteidigungsministerin Roberta Pinotti der Zeitung "Il Messaggero". Regierungschef Matteo Renzi betonte: "Die internationale Gemeinschaft hat alle Instrumente, um einzugreifen. Wir schlagen vor, auf den UN-Sicherheitsrat zu warten." Es sei wichtig, "das Problem in Libyen zu lösen, wo die Situation außer Kontrolle ist", sagte Renzi vor einigen Tagen.

"Die Verschlechterung der Situation in Libyen steht offensichtlich in Verbindung mit der Zunahme der Zahl der Menschen, die in Boote steigen und ihr Leben riskieren, um Europas Küsten zu erreichen", sagte EU-Kommissionssprecherin Natasha Bertaud. Carlotta Sami, Sprecherin UN-Flüchtlingswerkes UNHCR, sagte: "Wir beobachten das seit einiger Zeit: Jedes Mal, wenn sich die Situation in Libyen verschärft, nehmen auch die Flüchtlingsströme zu."

Tausende Menschen haben sich in den vergangenen Tagen von Libyen aus auf den Weg über das Mittelmeer gemacht, trotz hoher Wellen und schlechten Wetters. Alleine auf der Insel Lampedusa müssen derzeit 800 Menschen im Aufnahmezentrum ausharren - mehr als doppelt so viele wie eigentlich vorgesehen. Und weitere Schiffe der Marine und der Küstenwache mit Flüchtlingen an Bord sind bereits unterwegs. "Mehr als 2000 Menschen und die Zahlen nehmen weiter zu, die Retter können nicht einmal einen Moment innehalten", sagte Sami.

Bewaffnete Schleußer

Sorgen macht Italien aber nicht nur die Anzahl der Flüchtlinge, auch immer neue Berichte über Gewalt schrecken die Menschen auf. Am Wochenende waren Einsatzkräfte der Küstenwache von Schleusern mit Waffen bedroht worden, damit sie die leeren Boote zurückgeben - für die Schmugglerbanden eine wertvolle Ware. Die italienische Küstenwache reagierte schockiert und fürchtet um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter. Innenminister Alfano erklärte: "Das zeigt, wie skrupellos, unmenschlich und kriminell das Handeln der Menschenhändler ist."
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