"Banner weißer Vorherrschaft"

In Columbia demonstrierten Bürger vor dem Kapitol gegen die Konföderierten-Flagge, die hier im Hintergrund zu sehen ist. "Take down the Flag" - "Runter mit der Fahne!" - stand auf einigen Plakaten. Bild: dpa

150 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei ringt die amerikanische Gesellschaft mit tief verwurzeltem Rassismus. Nun konzentriert sich der Streit auf eine rotblaue Flagge. Der erste schwarze Präsident des Landes nimmt jetzt sogar ein bestimmtes Wort in den Mund.

Wer das Hauptquartier des rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) im Südstaat Arkansas besucht, findet unweit vom Hauptgebäude das Grab eines verstorbenen Mitglieds. An dem Holzkreuz am Waldrand steckt eine kleine Flagge in der Erde: Zwei blaue Diagonalen kreuzen sich auf hellrotem Grund, in ihnen reihen sich 13 weiße Sterne aneinander. Es ist das Banner der Konföderierten, mit dem der Geheimbund KKK die Afroamerikaner jahrzehntelang das Fürchten lehrte.

"Anstößiges Symbol"

Fotos von Aufmärschen zeigen, wie Klansmänner in weißen Kapuzen durch US-Städte marschieren und die Konföderierten-Flagge in ihren Reihen schwenken. Auch Neonazis, rechtsradikale Paramilitärs und Skinheads nutzen das Symbol - ob bei Demonstrationen oder im Internet, teilweise dicht an dicht mit dem Hakenkreuz. "Es ist das Banner der weißen Vorherrschaft", schreibt die "Los Angeles Times".

Es ist deshalb kein Wunder, dass nach dem blutigen Massaker in Charleston mit neun toten Afroamerikanern erneut Rufe laut werden, die häufig als rassistisch bewertete Flagge zumindest an öffentlichen Gebäuden zu entfernen. Auch der weiße Todesschütze hatte auf Fotos im Internet mit der umstrittenen Flagge posiert. Sie sei ein "zutiefst anstößiges Symbol einer brutal beleidigenden Vergangenheit", sagt South Carolinas Gouverneurin Nikki Haley. Sie will das Banner vor dem Kapitol in der dortigen Hauptstadt Columbia vom Fahnenmast holen lassen. Die Gesetzgeber in South Carolina, die in beiden Parlamentskammern mit einer Zweidrittelmehrheit für den Schritt stimmen müssten, sollten das "Symbol von Hass und Brutalität" beseitigen, fordert die "New York Times" - immerhin sei das Exemplar in Columbia landesweit das letzte, das an einem Landesparlament hänge, berichtet die "Washington Post".

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Im amerikanischen Süden, wo das Banner die Nummernschilder etlicher Pickup-Trucks ziert, zelebrieren Befürworter das blaue Kreuz auf rotem Grund nicht nur als Ausdruck des Protestes gegen die Regierung in Washington. Nachfahren von Soldaten aus Bürgerkriegszeiten sehen in ihr auch eine Chance, der Kriegstoten zu gedenken - allerdings wurde die Flagge zu diesem Zweck erst im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert eingesetzt.

Hitzige Debatte

Auch anderthalb Jahrhunderte nach Abschaffung der Sklaverei ringen die USA mit tief in der Gesellschaft verankertem Rassismus. Die wiederholten Todesschüsse weißer Polizisten auf unbewaffnete Schwarze haben die Ressentiments auf beiden Seiten nur weiter geschürt. Präsident Barack Obama ließ sich gar dazu hinreißen, in einem Interview zum Thema das extrem beleidigende Schimpfwort "Nigger" in den Mund zu nehmen - und heizte die Debatte damit weiter an. Obama, der ganz bewusst nicht als Präsident der Afroamerikaner angetreten war, hatte sich in diesen Diskussionen zuvor sehr zurückgehalten.
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