Bauern auf den Barrikaden

Die französischen Bauern blockieren unter anderem die Rheinbrücke zwischen Kehl (Baden-Württemberg) und Straßburg (Elsass) mit Traktoren. Bild: dpa

EU-Bürokratie und weltweite Dumping-Preise für Lebensmittel - die elsässischen Bauern haben die Nase voll. Mit Blockaden entlang der deutsch-französischen Grenze wollen bis zu 1500 von ihnen den Verantwortlichen Feuer unter dem Hintern machen. Und sie fackelten dabei nicht lange.

Es brennt. Beißender Qualm steigt in die Luft, es ist heiß und trotz des kühlen Windes wird es noch heißer: Ein erboster französischer Bauer wuchtet einen riesigen Traktorreifen in das Lagerfeuer, das seit dem Montagmorgen an der Kehler Europabrücke an der deutsch-französischen Grenze brennt. Kleinere Reifen schwelen bereits seit Stunden darin. Die Stimmung der Bauern ist düster, die Laune so rabenschwarz wie der Rauch. Protest. Gegen viel zu niedrige Preise, die sie für ihre Lebensmittel, für Fleisch, Milch oder Obst bekommen. Gegen die hohen Lohn- und Sozialkosten in Frankreich, mit denen sie sich nach eigenen Worten nicht gegen deutsche und andere Konkurrenz wehren können. Und gegen die Agrarpolitik der EU insgesamt.

Kein "fairer Wettbewerb"

Das ist kein deutsch-französisches Problem, bekräftigt Bernard Gentner, einer von den etwa 50 Bauern, die seit dem frühen Morgen in wechselnder Besetzung hier die Stellung halten. Er ist schon Rentner und baut auf 35 Hektar Land Getreide an. "Was die EU macht, hat mit fairem Wettbewerb in der Landwirtschaft nichts mehr zu tun." Gentner beklagt Regelwut in Brüssel. "Selbst die Subventionen, die wir bekommen, sind mit so vielen Regeln befrachtet, das wir kaum hinterherkommen. Und es ändert sich nichts. Für unsere Produkte bekommen wir zum Leben zuwenig und zum Sterben zuviel."

Drei Bauern, die anonym bleiben wollen, stimmen zu. "Die Agrarpolitik der EU und der Weltmarktpreis - das passt einfach nicht zusammen." Sechs Straßenverbindungen, darunter fünf Brücken, werden seit Sonntagabend zwischen Frankreich und Deutschland besetzt. Auf der Europabrücke blockieren die Landwirte mit bis zu 50 Traktoren die Straße. Die Maschinen stehen im französischen Teil in der Mitte der vierspurigen Fahrbahn. Links und rechts dürfen Fahrzeuge vorbei - aber keine Lastwagen mit Lebensmitteln an Bord, die nicht aus Frankreich kommen. Acht Laster stehen schon in der Haltebucht. Seit dem Morgen wurden 30 Lastwagen aus Spanien, Italien, Rumänien oder Deutschland herausgewunken, bis zu 300 waren von der Blockade betroffen. Die Fahrer sind genervt. Reden will nur einer, der einen deutschen Lkw fährt, beladen mit vier Tonnen Mozarella. "Die Aktion ist das gute Recht der Bauern", murmelt er. Aber das fast sechsstündige Warten auf die Weiterfahrt stresst. Und er kann ja auch nichts für die Agrarpolitik, sagt er. Franck Sander, Präsident der regionalen Föderation der Bauerngewerkschaft FDSEA im Départements Bas-Rhin, hält gerade eine flammende Rede und ist sichtlich sauer. "Glauben Sie, uns macht das Spaß?", schnaubt er. "Die französische Landwirtschaft ist am Boden - deshalb gehen wir auf die Straße." Schuld seien höhere Löhne und Sozialabgaben in Frankreich und der Einsatz osteuropäischer Erntehelfer in Deutschland. In Frankreich müssen den Erntehelfern 9,61 Euro bezahlt werden; in Deutschland mittlerweile der Mindestlohn von 7,40 Euro.

Dumpingpreis für Biohühner

Dieser Unterschied schmerzt zwar, aber ist nur ein Teilproblem der europäischen Agrarmisere, sagt Geflügelzüchter Bernard Ginsz. Für seine Biohühner bekommt er von den Zwischenhändlern 3,54 Euro pro Kilo - im französischen Supermarkt kostet das Kilo zwischen elf und zwölf Euro und "im deutschen Edeka sogar 18 Euro - für das gleiche Huhn!" Die ganze Situation muss sich ändern, sagt Gunther Häberlen von der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt. Es mache ja keinen Sinn, wenn französische Erzeuger gegen deutsche protestieren. "Eigentlich sind wir vielleicht am falschen Ort", sagt einer der Bauern. "Das nächste Mal ziehen wir nach Brüssel."
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