Baustellen beim Bundesnachrichtendienst
Was den Nachfolger von Gerhard Schindler erwartet

Der Neubau der Zentrale in Berlin gehört im doppelten Sinne zu den Baustellen des BND. Bild: dpa

Berlin. Der Bundesnachrichtendienst (BND) steckt in einer Krise. Fehler, Frustration und fiese Stimmung belasten den vor 60 Jahren gegründeten etwa 6500 Mitarbeiter starken deutschen Auslandsgeheimdienstes. Eine Liste:

Geplante Reform: Wegen Alleingängen von Abteilungen, mangelhafter interner Kontrolle und schwammiger Rechtsgrundlagen soll der Dienst nach dem Willen von Kanzleramt und Parlament an die kurze Leine gelegt werden. Die geplante Reform des BND-Gesetzes soll bald Gestalt annehmen. Teile des Kabinetts fürchten, der BND könnte dadurch gefesselt werden.

Merkels Handy: Im Oktober 2013 wird bekannt, dass das Handy von Angela Merkel vom US-Geheimdienst NSA abgehört wurde. "Ausspähen unter Freunden: Das geht gar nicht", ärgert sich die Kanzlerin.

BND-Gate: Der BND spioniert selbst jahrelang ausländische Regierungsstellen und EU-Institutionen aus, in Einzelfällen auch Deutsche. 2015 stellt das Parlamentarische Kontrollgremium fest: In vielen Fällen war dies ein Gesetzesverstoß.

Doppelter Agent: Sechs Jahre gibt ein Mitarbeiter des BND laut Staatsanwaltschaft mehr als 200 teils streng geheime Dokumente an den US-Geheimdienst CIA weiter. Im Juli 2014 wird er festgenommen, 2015 angeklagt. Mitte März 2016 wird der 32-Jährige wegen Landesverrats, der Verletzung von Dienstgeheimnissen und Bestechlichkeit zu acht Jahren Haft verurteilt.

Die echte Baustelle: Die neue BND-Zentrale in Berlin gilt als größtes Bauvorhaben der Republik. Nicht nur, dass der Bau immer teurer wird (mehr als 1,3 Milliarden Euro inklusive Umzug statt 730 Millionen) - er wird auch Jahre später fertig als geplant. Es gibt Pfusch am Bau, 2011 verschwanden geheime Baupläne, der ursprünglich für 2013 geplante Umzug von Pullach nach Berlin wird sich wohl bis 2017 verzögern. 2015 montierten auch noch Unbekannte auf der bestbewachten Baustelle Berlins fünf Wasserhähne ab und fluteten Teile des Hauptgebäudes. Es wird Sabotage vermutet. Schaden: rund eine Million Euro.
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