Bautzen reagiert auf Ausschreitungen
Ausgangssperre nach Krawallen

Zuerst gab es nur Provokationen zwischen den gut 20 Asylbewerbern und rund 80 Rechtsextremen auf der "Platte" in Bautzen, dem Kornmarkt. Dann prallten die beiden Lager aufeinander. Ein Großaufgebot der Polizei bekam die Lage in den Griff. Bild: Xcitepress/dpa

Erneut sorgt die sächsische Stadt Bautzen für Negativschlagzeilen. Rechtsextreme und Asylbewerber provozieren sich gegenseitig. Dann explodiert die Gewalt. Das soll sich künftig nicht wiederholen.

Bautzen. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen greift der zuständige Landkreis gegen junge Asylbewerber hart durch. Vier Rädelsführer aus einem Wohnheim im Alter zwischen 15 und 20 Jahren wurden an andere Standorte gebracht, damit sie keinen Einfluss mehr auf ihre Mitbewohner ausüben können, teilte der Kreis Bautzen am Donnerstag mit. Außerdem wurde die Hausordnung im Heim verschärft: Für die etwa 30 in Bautzen lebenden unbegleiteten, minderjährigen Asylbewerber gelten fortan ein Alkoholverbot und eine Ausgangssperre ab 19 Uhr.

Nach Darstellung des Bautzener Polizeichefs Uwe Kilz ging die Gewalt bei den Krawallen am Mittwoch von den Flüchtlingen aus. Aus einer Gruppe von 15 bis 20 Asylbewerbern seien auf dem Kornmarkt Flaschen und Steine in Richtung der Rechten geflogen. Die Polizei hatte schon zuvor von "wechselseitigen Provokationen" zwischen Flüchtlingen und Einheimischen gesprochen und den Kornmarkt als "Pulverfass" bezeichnet. Meist sei Alkohol im Spiel.

Nachdem es bereits in den vergangenen Tagen zu Konflikten gekommen war, eskalierte die Gewalt am Abend deutlich. Laut Polizeibericht standen sich rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen - zum Großteil aus dem rechten Spektrum - und 20 bis 30 Asylbewerber gegenüber. Zwischen beiden Lagern kam es zu heftigen Wortgefechten und tätlichen Übergriffen. Flüchtlinge gingen mit Flaschen und Holzlatten auf die Polizei los. Es kam zum Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken.

Rechte jagen Flüchtlinge


Als ein Großaufgebot der Polizei die Lage auf dem Kornmarkt beruhigt hatte, liefen die Asylbewerber über eine Brücke in Richtung ihres Heimes. Rechtsextreme teilten sich in Gruppen auf und verfolgten die Flüchtlinge. Nachdem diese ihre Unterkunft erreicht hatten, bewachte die Polizei das Gebäude und forderte die Bewohner auf, es nicht zu verlassen. Auch drei weitere Unterkünfte in Bautzen und Niedergurig wurden nach Angaben der Polizei bewacht.

Ein Heimbewohner (18) erlitt aus noch unbekannter Ursache Schnittverletzungen. Als er ins Krankenhaus gebracht werden sollte, wurde der Rettungswagen behindert und mit Steinen beworfen. Nach Aussagen von Polizeichef Kilz ist noch unklar, aus welchen Reihen die Wurfgeschosse kamen. Am Morgen hatte es im Polizeibericht noch geheißen, der Krankenwagen sei "von mehreren augenscheinlich rechtsmotivierten Männern an der Friedensbrücke an der Anfahrt gehindert und mit Steinen beworfen" worden. Ein weiterer Wagen brachte den Verletzten später unter Polizeischutz ins Krankenhaus.

Innenminister Markus Ulbig (CDU) kündigte an, mehr Polizei nach Bautzen zu schicken. "Wir werden Gewaltexzesse wie die in der vergangenen Nacht in Bautzen nicht tolerieren, und die Polizei wird mit aller Konsequenz gegen derartige Straftäter vorgehen - egal, aus welcher Richtung sie kommen", sagte er. Bautzen war in den vergangenen Monaten wiederholt in die Schlagzeilen geraten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.