Bayerischer Sozialtag: Emilia Müller im Mehrgenerationenhaus in Amberg
Ministerin in der Bauecke

Sozialministerin Emilia Müller (hinten) in der Kindergruppe des Mehrgenerationenhauses. Für den hohen Gast sangen die Kleinsten das Lied von den verschwundenen Händen. Bild: Hartl

Amberg. (upl) Wenn ein halbes Dutzend Kameramänner die Bauecke in der Krippe belagert, dann ist Bayerischer Sozialtag.

Anlässlich dieses Termins besichtigte Ministerin Emilia Müller am Donnerstagvormittag die Kinderbetreuung das Mehrgenerationenhauses am Amselweg. Die Buben und Mädchen schauten ziemlich bedröppelt drein, als der hohe Gast aus München mit Regierungspräsident Axel Bartelt, Oberbürgermeister Michael Cerny, Behördenvertretern und Journalisten im Schlepptau durch die Räume wandelte.

Finanzierung unklar

Der Auftrieb soll sich lohnen: "Wir freuen uns natürlich, dass unsere Arbeit wahrgenommen wird", sagte die Leiterin des Mehrgenerationenhauses, Patricia Weiner. Offener Treff, Spielcafé, Secondhandladen, Kinderbetreuung, Tauschring oder Dolmetscherpool - die Angebotspalette der 1975 eröffneten Einrichtung ist lang. Ganz oben auf der Wunschliste steht derzeit die Seniorenarbeit und die Unterstützung pflegender Angehöriger. "Die Umsetzung scheitert bisher vor allem an den räumlichen Gegebenheiten", erklärte Weiner. "Die Pläne zur Erweiterung und der barrierefreien Umgestaltung unseres Gebäudes sind seit letzter Woche genehmigt." Allerdings sei die Finanzierung noch nicht geklärt. Auch die Kinder hätten gern mehr Platz. "Wir bräuchten dringend einen zusätzlichen Schlafraum für die Kleinen", erklärte Kinderbetreuerin Claudia Reinisch. Derzeit kümmert sie sich zusammen mit drei weiteren Fachkräften um 18 Buben und Mädchen - Kinder, die aus verschiedenen Gründen keinen regulären Krippenplatz in Anspruch nehmen.

Auch etliche Mamas aus dem Wiedereinstiegscafé waren gekommen, um der Ministerin Botschaften mit auf den Weg zu geben. "Wir brauchen dringend flexiblere Arbeitszeiten", erklärte eine Fachärztin für Urologie, die bisher keine Möglichkeit hat, stundenreduziert zu arbeiten. Auch eine Betriebswirtin, die sechs Fremdsprachen spricht, erzählte von ihren leidvollen Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt. "Ich hatte das Gefühl, mit einem Kind bist du nichts mehr wert", sagte sie. Sowohl die Arbeitszeiten in den Unternehmen seien zu starr, als auch die Bring- und Holzeiten der Betreuungseinrichtungen. Ministerin Müller notierte die Anliegen auf einem Zettel in ihrer dicken Mappe und appellierte an die Frauen, sich nicht unterkriegen zu lassen: "Ich kann nur alle ermuntern, Forderungen zu stellen." Die Staatsregierung unternehme große Anstrengungen, flexiblere Arbeitszeiten in den Betrieben zu etablieren. "Das geht aber nur mit der Wirtschaft zusammen. Wir können so etwas nicht verordnen", dämpfte die CSU-Politikerin Hoffnungen auf einen allzu schnellen Kulturwandel in der Arbeitswelt.
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