Beitragspoker der Kassen

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Defizite und höhere Zusatzbeiträge setzen die gesetzlichen Krankenkassen unter Druck: Was kommt auf ihre Mitglieder zu?

Mehrere Milliarden zusätzlich kosteten sie die Reformen der Bundesregierung, warnten die Krankenkassen. Dies sei nur mit höheren Zusatzbeiträgen zu schultern. Der Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt prognostiziert für 2016 einen durchschnittlichen Anstieg der Zusatzbeiträge um 0,2 Prozentpunkte, was einem Durchschnitts-Beitragssatz von 15,7 Prozent entspricht - bis 2019 von bis zu 16,4 Prozent. Der Ruf wird laut, die Arbeitgeber wieder paritätisch zu beteiligen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was erwartet die Beitragszahler?

Der Durchschnittswert des Schätzerkreises gibt eine Richtung vor, an der sich die Krankenkassen ausrichten sollen. Als das Gremium das erste Mal vergangenes Jahr eine Richtschnur mit einem Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent vorgab, rissen nur wenige, zumeist kleine Kassen diese Marke. Die großen der Branche hielten sich genau daran oder blieben knapp darunter. Die Abwanderung von zahlenden Mitgliedern zu billigeren Kassen hielt sich in Grenzen. Ob die Kassen diese Linie im kommenden Jahr durchhalten, ist fraglich.

Was, wenn der Beitrag zu hoch ist?

Jedes der 50 Millionen Mitglieder kann die Krankenkasse wechseln, wenn diese erstmals (wie im vergangenen Jahr) einen Zusatzbeitrag erhebt oder ihn erhöht. Die Kassen sind verpflichtet, ihre Mitglieder bei einer Beitragserhöhung auf das Sonderkündigungsrecht sowie die Höhe des prognostizierten durchschnittlichen Zusatzbeitrages hinzuweisen.

Was können Kassen tun, um die Versicherten zu halten?

Den Kassen ist natürlich die Gefahr bewusst, dass sie bei einem zu hohen Zusatzbeitrag ihre Mitglieder verlieren können. Daher werden sie, wie im vergangenen Jahr, sehr genau prüfen, wie weit sie gehen können.

Wo kann also zusätzliches Geld herkommen?

Alle Kassenarten haben erstmals seit einigen Jahren wieder Defizite - im ersten Halbjahr 2015 lag das Minus bei insgesamt einer halben Milliarde Euro. Doch Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verweist auf deren Finanzreserven von 15,2 Milliarden Euro. Einige Kassen werden also wieder an die Reserven gehen, um ihre Mitglieder nicht zu verprellen. Diese sind allerdings ungleich verteilt. Schon bei der vergangenen Anhebung des Zusatzbeitrages gab es etliche Fusionen von Kassen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Einzelkassen bei mehr als 130, Mitte dieses Jahres waren es noch 124.

Sollte man beim Wechsel nur nach dem Beitrag gehen?

Nach wie vor gilt die Warnung von GKV-Spitzenverband und Bundesversicherungsamt: Wer wechselt, prüfe gut, was er für sein Geld dann noch bekommt. Die gesunden Jungen interessiert das wohl weniger, die Älteren müssen da schon genauer hinschauen. (Kommentar)
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