Bericht an Club of Rome mit Rezepten gegen soziale Schieflagen
Horrorszenario für Unternehmer

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (Mitte, CSU) und die Autoren des neuen Berichts an den Club of Rome Jorgen Randers (links) und Graeme Maxton. In "Ein Prozent ist genug" stellten die Zukunftsforscher in Berlin Thesen zu den Themen Soziales und Umweltschutz vor. Bild: dpa

Berlin. Mit "13 leicht realisierbaren Maßnahmen" wollen der norwegische Zukunftsforscher Jorgen Randers und der britische Ökonom Graeme Maxton die großen Probleme unserer Zeit lösen: Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Erderwärmung. "Leicht realisierbar", das klingt harmlos und schön. Doch die Ideen, die sie in ihrem neuen Bericht an den Club of Rome präsentieren, haben es in sich. Man könnte auch sagen: Die Wissenschaftler haben einen Gruselschocker für Investmentbanker, Industrielobbyisten und Reproduktionsmediziner verfasst.

Sie sagen, mit der "marktradikalen Ideologie von heute" komme man nicht weiter. Regierungen sollten sich künftig nicht mehr an den Interessen einer reichen Minderheit, sondern an denen der Mehrheit orientieren.

Die wichtigsten Vorschläge:

Familien, die nur ein Kind oder keines haben, sollten belohnt werden. Das Autorenduo erklärt, die Verdoppelung der Weltbevölkerung in den vergangenen 50 Jahren sei die Hauptursache für die fortschreitende Zerstörung unseres Planeten. Da es schwierig sei, den ökologischen Fußabdruck des Einzelnen zu verkleinern, wäre es "hilfreich, wenn die Gesellschaft die Wachstumsrate der Bevölkerung noch mehr drosseln, idealerweise sogar ins Negative kehren würde". Man sollte Frauen, die maximal ein Kind großgezogen haben, "zu ihrem 50. Geburtstag einen Bonus von 80 000 Dollar zahlen".

Damit die Renten trotzdem gesichert sind, schlagen die Forscher eine Anhebung des Renteneintrittsalters vor, etwa auf 70 Jahre. Gleichzeitig plädieren sie für eine Verkürzung der Jahresarbeitszeit. Sie sagen: "Anstatt dass 90 Prozent der Erwerbsfähigen in Vollzeit arbeiten und pro Jahr im Schnitt 30 000 Dollar verdienen, besteht unser Ziel darin, dass 100 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung einen Arbeitsplatz haben." Der Durchschnittsverdienst würde dann bei 27 000 US-Dollar liegen.

Dadurch könne nicht nur die wachsende Arbeitslosigkeit verringert werden, sondern auch die Kluft zwischen Arm und Reich. Wer trotzdem arbeitslos ist, sollte ein höheres Arbeitslosengeld erhalten, das allerdings unter dem Durchschnittslohn liegt. Gleichzeitig sollte aus unbezahlter Arbeit bezahlte Arbeit werden. Wie das geht? Zum Beispiel durch die Entlohnung von Menschen, die Angehörige pflegen.

Um mehr Anreiz für Klimaschutz zu schaffen, fordern Randers und Maxton eine CO2-Steuer, deren Einnahmen direkt an die Bürger verteilt werden. Parallel zu einem Anstieg der Steuern auf Emissionen und Rohstoffverbrauch sollten die Steuern auf Einkommen gesenkt werden. Wer für die Herstellung seiner Produkte übermäßig viele Ressourcen verbraucht und Menschen krank macht, soll dafür zur Kasse gebeten werden. Es sei unfair, dass die Folgen von Fettleibigkeit, Depressionen und verkürzter Lebenszeit von der Gesellschaft und nicht von den Herstellern von Lebensmitteln mit zu viel Zucker, Fett und Salz getragen würden.

Außerdem: Reiche und Unternehmen sollten mehr Steuern zahlen. Das Argument, höhere Unternehmenssteuern vernichteten Arbeitsplätze und ließen das Bruttoinlandsprodukt schrumpfen, lassen die Autoren nicht gelten. Sie sagen, das sei eine von Unternehmen und Banken kolportierte Fehleinschätzung.

Die Abwanderung von Arbeitsplätzen aus reichen Ländern ließe sich nach Einschätzung der Forscher durch eine Beschränkung des Außenhandels wirksam bekämpfen. Randers und Maxton sagen: "Wenn die Arbeitslosigkeit zum Hauptproblem wird, kann ein liberalisierter Handel die Situation sogar noch verschlimmern, weil er den Unternehmen die Verlagerung von Jobs ins Ausland erleichtert."

"Ein Prozent ist genug. Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen", haben die Verfasser ihren Bericht genannt. Dass sie für ihre radikalen Vorschläge nicht nur Lob ernten, war Randers und Maxton schon beim Schreiben klar. Ihren Vorschlag für eine "Förderung kleinerer Familien" bezeichnen sie selbst als eine "besonders unkonventionelle - und möglicherweise strittige - Maßnahme". Trotzdem erklären sie: "Wir hoffen, dass die Gesellschaft den Wandel begrüßt, statt in Angst vor Veränderung zu verharren."

Man sollte Frauen, die maximal ein Kind großgezogen haben, zu ihrem 50. Geburtstag einen Bonus von 80 000 Dollar zahlen.Aus dem jüngsten Bericht an den Club of Rome
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.