Berlin handelt entschlossen und öffnet die Grenze für Tausende Flüchtlinge - Jetzt ziehen viele ...
Respekt und Lob, vereinzelt aber auch Kritik

Ein Flüchtling blickt besorgt aus einem Bus am Rande einer ungarischen Autobahn. Anders als die Regierung in Budapest, die wegen ihres Umgangs mit den Migranten kritisiert wird, erntet die Große Koalition in Berlin europaweit viel Lob und Anerkennung. Bild: dpa
Die deutsche Flüchtlingspolitik und die Aufnahme von Tausenden Migranten in den vergangenen Tagen stößt in Europa und Übersee auf Anerkennung und Lob. In einigen Ländern drängen die Medien ihre jeweiligen Regierungen, sich in dieser Frage ein Beispiel an Deutschland zu nehmen. Kritische Stimmen kommen meist von rechts, wie aus dieser Übersicht zur Haltung einzelner Länder hervorgeht:

Frankreich: Deutschland kann bei seinem wichtigsten EU-Partner mit viel Zustimmung für die Position in der Flüchtlingsfrage rechnen. Immer wieder wird in Paris betont, Frankreich stehe an der Seite Deutschlands. Beide Länder bemühen sich durch eine Initiative von Präsident François Hollande und Kanzlerin Angela Merkel auf EU-Ebene um gemeinsame Standards in der Flüchtlingspolitik. Die Zeitung "Libération" kommentierte am Dienstag Merkels "bemerkenswerte Aufklärungsarbeit gegenüber ihrem eigenen Volk und den Europäern".

USA: Die große Skepsis gegenüber dem Konstrukt EU und das Faible für Helden prägen den Blick der USA auf das Flüchtlingsdrama in Europa. "Europa hat in der größten Krise dieser Art seit dem Zweiten Weltkrieg weitgehend versagt, während Merkel außerordentlichen Führungswillen zeigt", schreibt das Magazin "Newsweek". Zuvor war der Regierungschefin des wichtigsten EU-Landes noch vorgeworfen worden, zu spät zu handeln.

Spanien: Hier wird die Haltung der deutschen Regierung in der Flüchtlingskrise mit viel Lob bedacht. Merkel lege - ebenso wie Paris und London - ein "entschlossenes und konsequentes Handeln" an den Tag, schrieb die Zeitung "El País". Im Gegensatz dazu stehe die "zögerliche Haltung" Madrids, das die Aufnahme von Flüchtlingen zuletzt wieder infrage gestellt und von finanziellen Faktoren abhängig gemacht hatte.

Italien: Auch hier überwiegen die lobenden Stimmen für das deutsche Engagement. Dort hat sich zuletzt das Bild von Kanzlerin Merkel drastisch gewandelt. Sie wird nun nicht mehr als die strenge Sparkommissarin gesehen, sondern als "moralische Führerin Europas". Kritik kommt von Italiens Rechtspopulisten. Deutschland schnappe sich aus Eigeninteresse die gut qualifizierten Syrer und schicke die Übrigen weg, die dann in Südeuropa hängen blieben, schrieb die Zeitung "Libero".

Niederlande: Merkel wird mit ihrer Flüchtlingspolitik in den Niederlanden von Medien und Bürgern hochgelobt. Die Politik der Bundesregierung und die vielen Privatinitiativen werden als Beweis für ein Deutschland angeführt, das Werte wie Solidarität und Menschlichkeit hochhält. Daran sollte sich die niederländische Regierung ein Beispiel nehmen, meinen viele Kommentatoren.

Österreich: In der Alpenrepublik gibt es viel Zustimmung für die deutsche Flüchtlingspolitik. Als sich zuletzt die Lage in Ungarn zuspitzte und am Budapester Ostbahnhof Tausende Flüchtlinge tagelang ausharrten, vereinbarten Merkel und Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann eine Ausnahmeregelung. Die Flüchtlinge durften ohne bürokratische Hürden weiterreisen und wurden schon an der österreichisch-ungarischen Grenze versorgt. In einigen Forderungen geht die rot-schwarze Koalition in Wien aber noch einen Schritt weiter als die deutsche Bundesregierung. So spricht sie sich etwa vehement für Quoten zur Verteilung von Flüchtlingen in der EU aus.

Schweiz: "Selten schien Deutschland entspannter, weltoffener, großzügiger", findet der Schweizer "Tagesanzeiger". Die wirtschaftliche und politische Macht habe "die Deutschen nicht arrogant, sondern auf unverkrampfte Art selbstsicher und verantwortungsbewusst gemacht".

Polen: In linken und liberalen polnischen Medien wird die deutsche Flüchtlingspolitik positiv herausgestellt und als beispielhaft auch für Polen beschrieben. "Ausgerechnet die Deutschen zeigen jetzt, was eine echte Bürgergesellschaft, was echtes Christentum und ganz gewöhnlicher Anstand sind", schrieb Tomasz Lis, Chefredakteur von "Newsweek Polska", in einem Leitartikel mit der Überschrift: "Schäm dich, Polen".

Tschechien sieht sich selbst als Transitland für Flüchtlinge - nicht als deren Ziel. Die Reaktionen auf Berlins Politik reichen von Bewunderung bis hin zu Verärgerung. Deutschland locke die Migranten mit großzügigen Leistungen an, kritisierte die konservative Zeitung "Lidove noviny". Das Eis in den tschechischen Herzen taue nur langsam, stellte die linksgerichtete Zeitung "Pravo" fest: "Wir sind noch nicht so weit wie die Münchner."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.