Berliner SPD vor Rot-Rot-Grün
Müllers linker Dreier

Berlin wird bald von einem Dreierbündnis regiert. Einfach wird das nicht - schon gar nicht für einen Regierenden Bürgermeister, der es gewohnt ist, der Chef zu sein.

Berlin. Teilen ist Michael Müller als Einzelkind nicht so recht gewohnt. Doch nach der für seine SPD historisch schlechten Wahl wird Berlins Regierungschef es müssen. In einer Koalition mit zwei Partnern - und nichts anderes ist möglich in der Hauptstadt - wird er Macht verlieren. Und er muss seine Kommunikation ändern. Bisher machte der 51-Jährige wichtige Entscheidungen lieber mit sich aus. Nun verlangt Müllers linker Wunsch-Dreier einen neuen Stil. Das weiß der Regierende Bürgermeister selbst.

Mehr Kommunikation


"Es wird vom ersten Tag an in einer Dreierkoalition einen deutlich größeren Kommunikations- und Abstimmungsbedarf geben", sagt er am Morgen nach der Wahl in die Radiomikrofone des rbb. Er hat Sorge, das Regieren mit Linken und Grünen könnte noch schwieriger werden als die letzten fünf Jahre mit der CDU. Und das will was heißen. Mehrmals stand die rot-schwarze Koalition kurz vor dem Kollaps - doch nie zogen Müller oder sein Vorgänger Klaus Wowereit die letzte Konsequenz.

Nach dem vorläufigen Ergebnis erreichte die SPD 21,6 Prozent (2011: 28,3). Die Union kam mit 17,6 Prozent auf Platz zwei (2011: 23,3). Die Linkspartei landete mit 15,6 Prozent auf Platz drei (2011: 11,7) und überflügelte knapp die Grünen, die 15,2 Prozent verbuchten (2011: 17,6). Die AfD kam auf 14,2 Prozent und sitzt nun in 10 von 16 Landesparlamenten. Die FDP kehrt mit 6,7 Prozent ins Parlament zurück (2011: 1,8).

Nun muss Müller, dessen SPD so schwach abschnitt wie noch kein Wahlsieger in der Nachkriegsgeschichte, Macht und Verantwortung abgeben. Nur ein Siebtel der Wahlberechtigten, Nicht-Wähler eingerechnet, stimmte für die Genossen. Nicht gerade ein überwältigender Rückhalt. Die "Juniorpartner" in einer rot-rot-grünen Koalition wären gar nicht so "junior", liegen sie doch beide keine 6,5 Punkte zurück.

Vor allem die Linken werden sich nicht noch einmal so abspeisen lassen wie in den zehn Jahren der rot-roten Koalition in den Nuller-Jahren. "Wenn wir eine andere Politik hinbekommen, die auf die Basta-Aussagen einer Partei verzichtet, die glaubt, sie hätte noch 40 Prozent, dann können wir es versuchen", sagt Linke-Chef Klaus Lederer selbstbewusst. Die Linke ist ein Gewinner der Abgeordnetenhauswahl, konnte als einzige im Bundestag vertretene Partei zulegen. In Thüringen hat sie mit Ministerpräsident Bodo Ramelow vorgemacht, dass man ein rot-rot-grünes Bündnis auf Augenhöhe führen kann.

Linke legt zu


Die Grünen werden wohl weniger querschießen. Sie sind ehrgeizig und wollen unbedingt regieren, allen voran Spitzenkandidatin Ramona Pop. Doch bei der Wahl lief's nicht wie erhofft: Die in den Umfragen zuvor starke Ökopartei landete hinter den Linken. Das dürfte am Ego kratzen. In der SPD geht die Sorge um, die kleineren Partner könnten sich gegen sie verbünden. Ob der von vielen als blass wahrgenommene Müller mit so schlechten Wahlergebnissen noch der richtige Mann ist, ist strittig. Es gibt Gerüchte, die Parteilinke säge intern an Müllers Stuhl. Das gab es schon einmal - Müller verlor zwischenzeitlich den Landesvorsitz.

Die Mehrheit der Berliner wünscht sich eine rot-rot-grüne Regierung. Angst davor müsse man jedenfalls nicht haben, beruhigt Parteienforscher Gero Neugebauer. Es könne sich "eine urdemokratische Eigenschaft" entfalten. "Nämlich die Bereitschaft, Konsens zu finden und Kompromisse zu schließen."
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