Betrugsverdacht bei Wahlen des Tierschutzvereins Amberg: Gerichtsvollzieherin wird neue Vorsitzende
Neuwahlen beim Tierschutzverein Amberg

Die 43 Jahre alte Gerichtsvollzieherin Sabine Falk (Zweite von links) ist neue Vorsitzende des Tierschutzvereins. Den engeren Vorstand komplettieren (von links) Schriftführerin Ingrid Mallmann, stellvertretender Vorsitzender Jörg Wimmer und Schatzmeisterin Heike Übler.

Amberg. (tk) Die Ruhe hielt nicht sehr lange, Harmonie kam gar nicht erst auf. Nur gut 20 Minuten, nachdem er die Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins eröffnet hatte, sah sich der kommissarische Vorsitzende Prof. Dr. Dieter Dausch den ersten Anfeindungen ausgesetzt.

Das Wort, das ihm aus dem weiten Rund entgegengeschrieen wurde, lautete "Pfusch" und bezog sich auf das Tierheim, das laut eines Mitglieds nicht um eine 400 000 Euro teure Katzenquarantäne-Station hätte erweitert werden müssen. Eine günstigere Sanierung hätte es wohl auch getan. Dausch, der vor einem halben Jahr nach dem wegen Unstimmigkeiten im Vorstand erfolgten Rücktritt des Vorsitzenden Theodor Schmaußer die Amtsgeschäfte übernommen hatte, rechtfertigte den Neubau und die Umgestaltung: "Wir mussten bei jeder Seuche ein Massensterben über uns ergehen lassen." Zudem seien die Käfige aus dem Personalraum verschwunden: "Hygienisch war das nicht verträglich."

Dausch räumte auch mit den Vorurteilen auf, der Verein habe Katzen mit Diabetes vermittelt und die Quarantäne könne nur unzureichend belüftet werden. Als dieser Themenkomplex abgearbeitet war, kam Dauschs Frau Burglinde an die Reihe. Ihren Finanzbericht begann sie mit dem Vorwurf, sich einer Verleumdungskampagne ausgesetzt zu sehen. Angeblich fehlten in der Abrechnung für den Neubau 80 000 Euro. Die Schatzmeisterin wehrte sich mit fester Stimme: "Ich bin nicht feige. Ich sage hier ganz deutlich: Unsere Kasse stimmt." Wer auch immer diese "ungeheuerliche Beschuldigung" in die Welt gesetzt habe, solle sich auf der Stelle öffentlich entschuldigen. Das tat Joachim Siegert. Der später am Abend für den Vorsitz kandidierende Ingenieur erklärte den Mitgliedern, wie er auf den Verdacht gekommen war: "Ich habe letztes Jahr bei der Hauptversammlung gefragt, was an der Quarantäne-Station so teuer ist."

Eine Antwort habe er nicht bekommen, weshalb er mit Beiratsmitglied und CSU-Stadtrat Helmut Weigl die einzelnen Gewerke "noch mal durchgegangen" sei. Zu Hause habe Siegert nachgerechnet und sei zum Ergebnis gekommen, "dass 80 000 Euro fehlen". Eine Aufklärung habe es nie gegeben: "Das laste ich Herrn Weigl an." Was dieser wiederum nicht auf sich sitzen ließ: "Ich dachte, dass das in der Zwischenzeit geklärt ist." Zudem habe er Siegert gebeten, sich mit Geschäftsführer Karlheinz Brandelik zu unterhalten, da die Gewerbebau bei der Station die Bauplanung innehatte. Siegert ruderte daraufhin zurück und entschuldigte sich: "Ich habe nie geglaubt, dass das Geld verschwunden ist." Es sei ihm nur komisch vorgekommen.

Mit 111:98 Stimmen - Sabine Falk setzt sich gegen Joachim Siegert durch

Bei der Hauptversammlung des Tierschutzvereins wurden die Wahlen fast zur Farce. Sie starteten mit Verzögerung, weil es unerwartete Komplikationen bei der Entlastung des bisherigen Vorstands gab. Das Ergebnis: 117:100. Das Problem: Bernhard Mitko, der die Wahl leitete, waren lediglich 210 Stimmberechtigte gemeldet worden. Versuch zwei folgte. Diesmal waren 113 Anwesende für und 101 gegen die Entlastung. Die Ursache wurde erst später geklärt: Die Anwesenheitsliste war falsch ausgezählt worden. Tatsächlich waren 217 Mitglieder im ACC, der Vorstand somit entlastet.

Bei den Neuwahlen waren alle Posten zu vergeben. Angetreten waren zwei Listen. Eine wurde von Joachim Siegert angeführt, der im Verein bis dato noch nicht in Erscheinung getreten war. Seine Kontrahentin, die bisherige Schriftführerin Sabine Falk, sagte: "Wir wollen zusammenarbeiten. Ich stehe hier für die Tiere." Siegert antwortete auf die Frage, ob ein Mix aus beiden Listen denkbar sei: "Wir werden uns nicht in einem Vorstand engagieren, in dem Vertreter aus der anderen Gruppe sind. Wir haben mehr Kompetenz." Die Mitglieder entschieden sich mit 111:98 Stimmen für Sabine Falk. Alle Mitstreiter von Siegert verzichteten danach auf eine Kandidatur und verließen teilweise den Saal.
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