Bischöfe denken um

Seit langem fordern deutsche Katholiken einen verständnisvolleren Umgang der Kirche mit Gläubigen, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben. Jetzt kommt ihnen die Deutsche Bischofskonferenz entgegen.

(dpa/KNA) Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat sich in der strittigen Frage der wiederverheirateten Geschiedenen für einen vorsichtigen Reformkurs entschieden. Sie plädiert dafür, Wiederverheiratete nach Prüfung des jeweiligen Einzelfalls "unter bestimmten Bedingungen" zur Kommunion zuzulassen. "Aus Sicht der deutschen Bischöfe wäre es nicht richtig, unterschiedslos alle Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, zu den Sakramenten zuzulassen", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx am Montag. Vielmehr plädierten die Bischöfe "für differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden und unter bestimmten Bedingungen eine Zulassung zu den Sakramenten ermöglichen".

In dem Papier der Bischofskonferenz heißt es: "Es ist ein großer Unterschied, ob ein Partner schuldlos verlassen wurde oder ob er bewusst die Ehe brach, ob die Ehe zerbricht, weil ein Partner sich als notorischer Ehebrecher erweist oder weil beide Partner sich über einen längeren Zeitraum auseinandergelebt haben." Auf keinen Fall dürfe man alle über einen Kamm scheren. Zurzeit dürfen Katholiken, die geschieden sind und wieder geheiratet haben, nicht zur Kommunion gehen. Umfragen haben ergeben, dass eine große Mehrheit der Gläubigen dies für realitätsfern und unbarmherzig hält. Gerade auch engagierte Katholiken fordern, dass die Kirche ihre Haltung in diesem Punkt ändert.

Einspruch aus Regensburg

Die Bischöfe von Passau und Regensburg haben dagegen die Unauflöslichkeit der Ehe betont. Aus theologischen Gründen sehe er derzeit keine mögliche Regelung zu einer Wiederzulassung, die nicht gleichzeitig die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe in Zweifel ziehen würde, sagte der Passauer Bischof Stefan Oster. Auch sein Regensburger Amtskollege, Rudolf Voderholzer, wolle keiner Regelung zustimmen, die die Unauflöslichkeit der Ehe in Zweifel ziehe. Das erklärte dessen Sprecher Clemens Neck. (Kommentar)
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