Bischöfe: Wir helfen

Die Kirche hilft Flüchtlingen, wo sie kann. Dieses Signal sollte von Fulda ausgehen. Im Bild Ludwig Schick (links), Erzbischof von Bamberg, und Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, am Rande der Deutschen Bischofskonferenz. Bild:dpa

Um Flüchtlingen im In- und Ausland zu helfen, hat die katholische Kirche in Deutschland in diesem Jahr bereits mindestens 100 Millionen Euro zusätzlich aufgewendet. Einen detaillierten Überblick hat sie selbst nicht - angesichts mannigfaltiger Hilfsprojekte.

(dpa/KNA) Die katholische Kirche in Deutschland begegnet der Flüchtlingskrise mit einem neuen Sonderbeauftragten und deutlich erhöhtem Finanzeinsatz. Nach Sondermitteln in Höhe von 73,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr betrage die Summe in diesem Jahr bereits mindestens 98,6 Millionen Euro, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, am Dienstag in Fulda bei der Herbstvollversammlung der katholischen Oberhirten. Die 98,6 Millionen Euro seien Zusatzgelder für Hilfsprojekte. Sie setzen sich zusammen aus 66,5 Millionen Euro in den deutschen Diözesen und 31,1 Millionen für die Hilfswerke im Ausland. Den finanziellen Einsatz Posten für Posten, Ort für Ort aufzuschlüsseln sei "völlig ausgeschlossen", sagte Marx angesichts der vielfältigen, oftmals auch nicht bekannten Initiativen in den Gemeinden.

Neben der finanziellen Hilfe leisteten die Bistümer, Hilfswerke, katholischen Verbände, Orden und Gemeinden Unterstützung durch mindestens 800 mietfrei zur Verfügung gestellte Unterkünfte und Wohneinheiten sowie den Einsatz von mehr als 3000 hauptamtlichen Mitarbeitern, berichtete die Bischofskonferenz zu ihrem Top-Thema.

Um die Hilfe künftig noch besser zu koordinieren, wird der Hamburger Erzbischof Stefan Heße Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen. Er soll bistumsübergreifend arbeiten und als Ansprechpartner und Koordinator für Hilfsprojekte fungieren. Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle, DBK-Vorsitzender für Migrationsfragen, forderte die Bundesregierung auf, von einer Verschärfung des Asylrechts Abstand zu nehmen.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki appellierte an die Deutschen, sich zu öffnen für eine Integrationskultur. Denn viele Flüchtlinge würden hierbleiben. "Das wird unser Land vor eine riesige Aufgabe stellen", sagte der DBK-Vorsitzende der Caritas-Kommission.

Zweifel an Orban-Treffen

Woelki äußerte sich auch kritisch zu dem von der CSU geplanten Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Er wolle die Einladung zu dem Gespräch, das heute bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion im Kloster Banz stattfinden soll, nicht pauschal verurteilen, betonte Woelki. Es stelle sich aber die Frage, welches Signal von einem solchen Gespräch ausgehe. "Stacheldraht, Schlagstöcke und Nagelbomben können jedenfalls kein Mittel sein, um traumatisierte Flüchtlinge von der Grenze abzuhalten", sagte der Kölner Kardinal.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, DBK-Vorsitzender der Kommission Weltkirche, räumte ein, dass die Kirche ihre Ziele bei der Entwicklungshilfe in den Krisengebieten der Welt verfehlt habe: "Klassenziel nicht erreicht - das würde ich schon sagen", erklärte Schick.
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